Landesverband der Philatelisten in Sachsen-Anhalt e.V. im BDPh. e.V.

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Hans von Rudolphi

von Dietrich Ecklebe



Bei nachfolgendem Beitrag handelt es sich um die Gedenkrede, die ich am 02.07.2010 in Halle zur Einweihung der Gedenktafel für Hans von Rudolphi gehalten habe. Man hatte mich um eine Veröffentlichung gebeten.


Sehr geehrte Damen und Herren,

wenn wir heute auf dem Stadtgottesacker in Halle Hans von Rudolphi ehren, gedenken wir der Tatsache, dass er die Idee zum Tag der Briefmarke hatte und damit eine weltweite Initiative begründet hat, der der Bund Deutscher Philatelisten bis heute auch finanziell zu Dank verpflichtet ist. Gleichzeitig sollte man aber auch nicht die Augen vor der Tatsache verschließen, dass der Nationalsozialismus diese Idee sofort für Propagandazwecke missbraucht und damit auch seinen Urheber in die Propagandamaschinerie einbezogen hat.
Hans von Rudolphi wurde am 02. Juli 1884 in Halle als Sohn eines Offiziers geboren. Nach dem Schulbesuch schlug ebenfalls die militärische Laufbahn ein und brachte es bis zum Major. 1920 wurde er vom Reichsheer verabschiedet. Als Verwaltungsdirektor der Geschützgießerei Spandau konnte er für einige Jahre ein gesichertes Leben führen. Als er allerdings diesen Posten verlor, reichte seine Pension kaum und er verbesserte sein Einkommen durch Klavierunterricht.
Bereits seit 1913 war von Rudolphi im Briefmarkensammlerverein „Mars“ organisiert. Schon bald kamen auch philatelistische Ehrenämter in Deutschland und im Ausland hinzu. Im Mai 1929 wurde er Leiter der Geschäftsstelle der philatelistischen Weltausstellung IPOSTA, die 1930 in Berlin stattfand. Er hatte die laufenden Geschäfte abzusichern, gehörte dem Arbeitsausschuss an und war dessen Schriftführer. Eine der wichtigsten Aufgaben war die Zusammenstellung der Exponate für die IPOSTA. Dadurch wurde er weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt und gewann viele Philatelisten zu Freunden. Gleichzeitig erkannte er aber die noch offenstehenden Aufgaben, denn die Zersplitterung der organisierten Sammler in zahlreiche Organisationen machte die Probleme komplizierter. Daher setzte er sich für die Schaffung einer Einheitsorganisation ein und wollte ein Mittel schaffen, das diesen Zusammenhalt stärkte. Dies sollte der Tag des Briefmarkensammlers sein. Von Rudophi propagierte diesen Gedanken nicht nur in Deutschland, seine Einsätze in den Preisgerichten in Paris und Prag gaben ihm eine internationale Plattform.
Warum war gerade um 1930 die Situation für neue Strukturen reif? Die Weltwirtschaftskrise hatte für eine sinkende Zahl an Sammlern gesorgt. Zahlreiche Vereine hatten sich aufgelöst und allein Werbung konnte dies nicht ausgleichen. Die Bundestage der organisierten Philatelie vollzogen sich nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit und widmeten sich fachlichen Fragen. Die regionalen Pfeiler, wie man die Verbände des Bundes nannte, hatten keine organisatorischen Strukturen. Diese Pfeiler dienten nur als Zweck zur Mitgliedschaft im Bund, der aus Verbänden bestand.
Am 14. Dezember 1933 trug Hans von Rudolphi die Idee vom Tag des Briefmarkensammlers auf dem Gründungstag des Verbandes Berlin vor. Edwin Mueller stellte diese Idee 1934 den Lesern des „Postwertzeichens“ vor.
„Wenn es einen Tag des Buches, einen Weltspartag usw. gibt, müsste es auch möglich sein, einen Tag des Jahres der Philatelie zu widmen. Man kann sich die werbende Kraft eines derartigen Unternehmens, wenn es tatkräftig durchgeführt wird, gar nicht groß genug vorstellen. Es müsste an diesem Tag der Philatelie alles im Dienst unsrer Sache stehen. Vor allem hätten die philatelistischen Organisationen dafür Sorge zu tragen, dass an diesem Tag durch besondere Vereinsversammlungen und Tagungen die Philatelisten selbst erfasst werden, dann müsste durch Vorträge und Werbeausstellungen auf die Nichtphilatelisten eingewirkt werden, der Rundfunk müsste durch Vorträge, die Tagespresse durch Artikel an diesem Tag in den Dienst der Philatelie gestellt werden. Auch an den Schulen wäre an diesem Tag über Briefmarken zu sprechen. Der Gedanke einer so umfassenden Werbung erscheint heute noch kühn, aber wenn er die Unterstützung der amtlichen Stellen findet, nicht unausführbar. Es ließe sich zu diesem Zweck die ganze Sache vielleicht mit einer großzügigen Verkaufsaktion für eine Wohltätigkeitsmarkenausgabe verbinden, weshalb der Tag der Philatelie wohl am besten Anfang Dezember – vielleicht für den ersten Sonntag des Dezember – anzusetzen wäre; dem wohltätigen Zweck könnte dann ebenso geholfen werden wie der Philatelie und die Unterstützung der amtlichen Stellen wäre, wenn man auf diese Weise das für die Philatelie Zweckmäßige mit einer Wohltätigkeitsaktion verbindet, sicher leichter zu erreichen. Es muss Sache der philatelistischen Organisationen sein, diese Sache ernstlich in Angriff zu nehmen. Wenn die deutsche Philatelie in dieser Hinsicht beispielgebend vorangehen würde, so könnte sie sich den Dank der Philatelisten der ganzen Welt erwerben.“
Diese Worte können als Programm des Tages der Briefmarke bis heute gelten, denn an diesen Zielen hat sich nichts geändert und wir wären heute froh, wenn sie inzwischen umgesetzt worden wäre.
Auf dem Bundestag 1934 in Danzig legte von Rudolphi zwei Entscheidungsvorlagen zur Beschlussfassungen vor. Sie sahen die Einrichtung einer Bundesstelle für Werbung und Propaganda und die Durchführung des Tages des Briefmarkensammelns vor. Beide Vorlagen wurden angenommen und Rudolphi übernahm die Bundesstelle für Propaganda. Im April 1935 konnte er dem Ausschuss des Bundes bereits konkrete Vorstellungen vortragen. Er sah vor, die Veranstaltungen im Herbst dezentral durchzuführen. Aber ihm kamen die österreichischen Philatelisten zuvor, die bereits am 1. Dezember 1935 ihren Tag der Briefmarke nach den Vorstellungen Rudolphis durchführten.
Bei der Umsetzung dieser Ideen spielten natürlich die politischen Verhältnisse eine entscheidende Rolle. Hitlers Gleichschaltungspolitik bezog auch die Philatelisten mit ein und so wurde aus den Vorsitzenden Verbandsführer. Am 13. Januar 1936 wurde von Rudolphi Verbandsführer des Landesverbandes Berlin, der eine wesentliche Rolle bei der Bildung des Reichsbundes der Philatelie im Januar 1936 spielte, der die Integration der Philatelisten in das nazistische System darstellte. Der Rechtsextremist Fritz Kloppe, „Führer“ des Wehrwolfes, bestimmten die Strategie der philatelistischen Verbände immer stärker. So wurde auch der Tag der Briefmarke instrumentalisiert und erhielt die Funktion eines Werbeargumentes für die Gründung der philatelistischen Einheitsorganisation. Daher verwundert es auch nicht, dass die Gedanken von Rudolphis verändert wurden. Nun sollte der Tag der Briefmarke an einem geschichtsträchtigen Termin stattfinden und man entschied sich für den 7. Januar 1936, den Geburtstag Heinrich von Stephans. Die erste Veranstaltung fand im Marmorsaal des Zoologischen Gartens in Berlin statt. Gleichzeitig wurde die neue Einheitsorganisation der Briefmarkensammler und Philatelisten, der Reichsbund der Philatelisten, gegründet.
Diese Termingestaltung trug man 1936 beim FIP-Kongress in Luxemburg vor, konnte sich aber nicht durchsetzen. Der FIP-Kongress sprach ein Jahr später in Paris die Empfehlung aus, den Tag der Briefmarke durchzuführen, aber an einem Termin, den das jeweilige Land selber bestimmte. Hier kommen bereits Gegensätze zum faschistischen Deutschland zum Ausdruck. In Deutschland waren die philatelistischen Organisationen gleichgeschaltet und wurden im Interesse des Nationalsozialismus gelenkt. Aus dem Tag der Briefmarke wurde ein Propagandainstrument und die Briefmarken zum Tag der Briefmarke mit hohen Zuschlägen dienten der Geldbeschaffung des Winterhilfswerkes und später des Kulturfonds. Wie der Historiker Prof. Dr. Walter Zöllner aus Halle nachweisen konnte, flossen diese Gelder in immer stärkerem Maße in Hitlers Privatschatulle. Nach einer Quelle im Bundesarchiv wurden allein 1937 an Hitler 4.682.471,20 RM überwiesen. Dies zeigt deutlich, dass die Nationalsozialisten die positive Idee des Tages der Briefmarke für ihre Zwecke missbraucht haben.
Allerdings war die internationale Akzeptanz dadurch nicht beeinflusst worden. Die ursprüngliche Idee von Rudolphis setze sich durch. So waren es die Niederländer, die als erste den Oktobertermin umsetzten. In Frankreich wurde der Tag der Briefmarke zum Aufruf zum Widerstand gegen die deutschen Besatzer und 1945 zu einem Tag der Befreiung.
Das Leben von Hans von Rudolphi endete dort wo es begonnen hatte, in Halle. 1943, als die Bombenangriffe auf Berlin sich verstärkten, zog die Familie nach Wittenberg, dem Heimatort seiner Frau. Doch schon bald musste sich von Rudolphi nach Halle in die Universitätsklinik begeben. Hier starb er am 6. Mai 1944 an Darmkrebs und wurde am 19. Mai auf dem Stadtgottesacker beigesetzt.
Damit hatte einer der bedeutenden deutschen Philatelisten sein Leben beendet. Sein Werk wird jedoch weltweit bis heute geehrt und geachtet, denn er ist nicht nur der, der den Tag der Briefmarke begründet hat, sondern er lebt auch in seinen literarischen Werken, wie dem Kohl-Handbuch, fort. Wenn wir heute an seinem Grab stehen und eine Gedenkplatte zu seinem Gedächtnis anbringen, ehren wir einen Philatelisten, der nicht unumstritten ist, der aber Bleibendes hinterlassen hat, dessen sich auch in Zukunft die Philatelisten erinnern. Die regelmäßige Durchführung des Tages der Briefmarke ist sicher die schönste Ehrung für Hans von Rudolphi.


Literatur:
Dr, Schmollinger, Wie der Tag der Briefmarke entstand
Dr. Schmollinger, Hans von Rudolphi – Initiator des Tages der Briefmarke
Dr. Schmollinger, Der Tag der Briefmarke – von der Idee Hans von Rudolphis zur
Verwirklichung in Berlin 1936
Prof. Dr. Zöllner, Auch Sammler finanzierten Hitler

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Geschrieben am 26.06.2010

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