Landesverband der Philatelisten in Sachsen-Anhalt e.V. im BDPh. e.V.

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Sonderstempel für die Papiertonne

von Dr. Richard Thomas, BSV Lutherstadt Wittenberg

Nicht immer haben die Vereine das Glück, dass ein Erlebnisteam Philatelie mit einem Sonderstempel vor Ort ist und auf die Wünsche der Kunden eingeht. Aber es bleibt ja noch Weiden, die Niederlassung Philatelie mit ihrer Sonderstempelstelle, wenn nicht Murphys Gesetz greift und nahezu alles schief geht...
Für den 5.5.2010 hatte die „Philatelie aktuell“ einen schönen Sonderstempel Wittenberg avisiert mit dem Bild von Kurfürst Friedrich dem Weisen und dem Hinweis auf eine Sonderausstellung in der Schlosskirche. Die WittenBerger Sammler waren überrascht und erfreut zugleich. Überrascht, weil sie keine Ahnung davon hatten und auch nicht unser Landesverband Sachsen – Anhalt. Erfreut, weil „unser“ Kurfürst postalisch geehrt wurde. Nach zwei Telefonaten wussten wir mehr. Ein bekanntes Briefmarkenhaus hatte den Stempel in Auftrag gegeben, um für 2017 Belege zum Thema Luther und die Reformation anzubieten und ein freundlicher Verein aus Niedersachsen hatte sich als Antragsteller zur Verfügung gestellt. Als Anlass wurde eine „Gedenkausstellung“ angegeben, wohl wissend, dass es diese nicht geben wird in Wittenberg und schon gar nicht in der Schlosskirche. Die passenden Exponate des Autors waren zeitgleich zur Melanchthonausstellung in Bretten bzw. zur 4. OHABRIA in Halberstadt.
Der BSV Wittenberg rettete den Tag insofern, als er am 5.5. mit einem Flyer zum Stempel und einem provisorischen Briefkasten vor Ort war. Ein Besucher war über drei Stunden mit dem Auto angereist, um einen (!) Brief für den SST einzuwerfen und sich die angebliche Sonderausstellung anzusehen.
Insgesamt waren 11 Briefe im Kasten, davon 8 von unseren Vereinsmitgliedern.
Da der Stempel wirklich schön war, unsere Vereinskasse stets hungrig und gestempelte und echt gelaufene Briefe mit Friedrich dem Weisen als Beschützer Luthers ganz sicher bis 2017, dem 500 Jahrestag des Thesenanschlages von Wittenberg gut zu verkaufen sind, hatte der Autor 145 Briefe für den Verein adressiert und portogerecht frankiert nach Weiden gegeben. Die Stempelwünsche waren deutlich sichtbar aufgeschrieben und als Banderolen um die 3fach frankierten Briefe bzw. Schmuckumschläge mit einer Darstellung vom WittenBerger Schloss von Friedrich dem Weisen um die Briefbündel geklebt worden.
Am 4.Juni kamen die Briefe aus Weiden zurück. Einer von 145 hatte „überlebt“, 144 Briefe (99,3%) waren „postalisch bearbeitet“ worden. Sie hatten neben dem SST Friedrich der Weise noch einen Maschinenstempel vom „Annafest Forchheim“ abbekommen. Und damit nicht genug ! Einige Briefe hatten wohl das Briefzentrum Ansbach ungestempelt verlassen und sie kamen bis Nürnberg. Hier schlug ein Postler erbarmungslos zu. Mit einem Handstempel vom Postzentrum 90 „entwertete“ (im wahrsten Sinne des Wortes !) der gewissenhafte Nichtphilatelist auch die restlichen Briefe für die Papiertonne !
Die Enttäuschung war riesig, insbesondere bei jenen 16 Thematik - Sammlern in Norwegen, der Schweiz und in Deutschland, denen der Autor privat Briefe zuadressiert hatte. Die Post in Weiden entschuldigte sich aufrichtig, nannte die Ursachen und bot Schadenersatz an. Der ideelle Schaden sowie die Zeit, 145 Adressen zu schreiben und ca. 300 Marken zu kleben, blieb offen. Die Post nannte schonungslos die Ursachen und es war eine Kette von Ursachen: Neuinstallation einer Maschine mit Probelauf im Briefzentrum, Schild im Briefcontainer aus Weiden von einer Hilfskraft nicht erkannt, dass alle Post bereits gestempelt und nur noch zu befördern sei und so nahm das Unheil seinen Lauf. Eine Werbung für die Post war es wirklich nicht und dazu passte die Tagesschau - Meldung vom 14. Juni , dass die Briefpost zu teuer und in den nächsten Jahren weiter zu rationalisieren sei.
Wir erhielten als Verein Ersatz in Briefmarken und schickten in einem zweiten Anlauf 150 Umschläge nach Weiden. Dieses Mal nur wenige zuadressiert und das Gros zur Gefälligkeitsabstempelung mit der Bitte um Rücksendung an den Verein. Wir hatten bei den Sonderpostämtern der letzten Jahre festgestellt, dass die „Sammler“ lieber den ungelaufenen Schmuckumschlag bevorzugen.
Für die „Philatelisten“ haben wir ca. 50 weiße Umschläge mit Dauerserie und Sonderstempel echt laufen lassen und rotem Barcode der Briefverteilanlage.

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