Landesverband der Philatelisten in Sachsen-Anhalt e.V. im BDPh. e.V.

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Ein Grabmal zur Erinnerung für Hans von Rudolphi

- Initiator des weltweit begangenen Festes „Tag der Briefmarke“

Ein Grabmal zur Erinnerung an den bedeutenden Philatelisten Hans v. Rudolphi (1884 - 1944), Sohn der Stadt Halle

Vor rund 66 Jahren ist der bedeutende deutsche Philatelist, Initiator des weltweit begangenen Festes „Tag der Briefmarke“, Hans v. Rudolphi, gestorben. Geboren am 2. Juli 1884 in Halle (Saale), arbeitete und lebte er von 1914 bis 1943 in Berlin, zog wegen der zunehmenden Bombardements seiner Spandauer Wohngegend im Herbst 1943 mit seiner Frau Elsbeth in deren Geburtsstadt, Lutherstadt Wittenberg. Bald darauf musste er freilich nach Halle ins Krankenhaus. In der Universitätsklinik Halle-Wittenberg starb er am 6. Mai 1944 an Darmkrebs. Seine Asche wurde am 19. Mai 1944 im Grabbogen 47 des Stadtgottesackers Halle (Saale) beigesetzt. Nichts deutete aber darauf hin, dass seine Urne im elterlichen Grab bestattet worden ist.

Das hat sich jetzt geändert.

Sonderstempel zur Errichtung des Grabmales für Han

Die Philatelistenverbände aus Berlin und Sachsen-Anhalt, die drei Halleschen Sammler-Vereine, tatkräftig unterstützt vom Verein für Friedhofskultur in Halle und dem Umland und der zuständigen Organisationseinheit der Verwaltung der Stadt Halle, haben sich auf Initiative der Forschungsgemeinschaft Tag der Briefmarke im Bund Deutscher Philatelisten zusammengetan, um Hans von Rudolphi nun, lange nach seinem Tod, mit einem Grabstein ein Denkmal zu setzen. Spenden der Stiftung zur Förderung der Philatelie und Postgeschichte, philatelistischer Vereine und Verbände sowie von Privatpersonen haben die Realisierung des Projektes ermöglicht.

Der Grabstein für Hans von Rudolphi wird - verbunden mit einer öffentlichen Feier an seinem Geburtstag, am Freitag, dem 2. Juli 2010, um 14.00 Uhr, in der Feierhalle des Stadtgottesackers Halle (Saale) - in dessen Grabbogen 47 von seinem Enkel, Dr. Hans C. Kaehler (Venezuela), enthüllt. Interessierte sind herzlich eingeladen, an dieser Feier teilzunehmen.

Aus Anlass der Enthüllung des Grabmales wird ein Schmuck-Briefumschlag, frankiert mit dem Sonderpostwertzeichen zum Tag der Briefmarke 2009 (Eichstätt-Brief) angeboten, der zum Preis von 3 Euro zuadressiert wird. Der aus Anlass der Veranstaltung eingesetzte Sonderstempel (siehe Abbildung) ist in „Philatelie-Aktuell", Nr. 11/2010, veröffentlicht. Vor Ort, im Stadtgottesacker, ist kein Sonderpostamt, sondern eine Briefbox zur Aufgabe von Stempelwünschen aufgestellt.

Kontakt für weitere Informationen und den Bezug des Briefumschlages: Forschungsgemeinschaft Tag der Briefmarke im BDPh, l. Vorsitzender Claus Bellgardt, Hülsdonker Str. 40, 47411 Moers, Tel. 02841/25641, E-Mail: claus-bellgardt® web.de. Informationen auch auf der Website der FG: www.tag-der-briefmarke.org





Ganzsache des Halleschen Ganzsachensammlerverein für für Hans von Rudolphi




Hans von Rudolphi - Initiator des Tages der Briefmarke
*2. Juli 1884 Halle (Saale) – †6. Mai 1944 Halle (Saale)

Dr. Horst Schmollinger, Berlin

Portrait von Rudolphi und seiner Ehefrau

Hans v. Rudolphi in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre
Quelle: Sammlung Adolf Tögel, Traunreut
[Das rechte Foto zeigt Elsbeth von Rudolphi, die Ehefrau. Das Fotos wurde freundlicherweise von Hr. Jäck, einem Nachfahre, am 01.02.2015 zur Verfügung gestellt. B. Berger]

Hans v. Rudolphi wurde am 2. Juli 1884 in Halle an der Saale in Sachsen – Anhalt geboren. Sein Vater ist Offizier gewesen; er selbst ging nach dem Schulbesuch 1902 auch zum Militär und schlug ebenfalls die Offizierslaufbahn ein. Er brachte es bis zum Major. Im Februar 1920 wurde er mit diesem Rang aus dem Reichsheer verabschiedet. Beim Abschied war er Verwaltungsdirektor der Geschützgießerei in Spandau bei Berlin. Bis 1925 hatte er diese Funktion auch bei den Deutschen Werken A. G., dem Nachfolgebetrieb der Geschützgießerei. Er verlor seinen Arbeitsplatz dort nach einer Umorganisation des Unternehmens. Danach verbesserte er seine Einkünfte aus einer Majors-Pension durch Musikunterricht als Klavierlehrer. Diesen Beruf übte er bis kurz vor seinem Tode aus.

Philatelistisch war er seit 1913 im Briefmarkensammlerverein „Mars“ organisiert; mit ihm zahlreiche ehemalige Reichsheer – Angehörige. Er war dort wie auch im Dachverband Pfeiler Berlin des Bundes Deutscher Philatelistenverbände im In – und Auslande in Ehrenämtern tätig.

So lange Rudolphi in Berlin lebte, 1914 - 1943, wohnte er in Spandau, in der Seegefelder Straße, nahe dem Bahnhof und dem Rathaus dieses Bezirkes; das Berliner Adressbuch verzeichnete für ihn bis 1935 die Hausnummer 10 und ab 1936 die Hausnummer 20. Das ist auf eine Umnummerierung im Jahre 1935 zurückzuführen.

Wahrscheinlich im Mai 1929 wurde er zum Leiter der Geschäftsstelle der philatelistischen Weltausstellung IPOSTA bestellt, die 1930 in Berlin stattfand. In dieser Funktion war er der Organisator der laufenden Geschäfte, gehörte dem Arbeitsausschuss an und war dessen Schriftführer. Was sein Ansehen in der philatelistischen Welt förderte, war seine Tätigkeit für die Zusammenstellung der Exponate für diese Ausstellung. Dadurch gewann er zahlreiche Bekannte unter renommierten Philatelisten aus aller Welt. Diese IPOSTA-Tätigkeit endete im Dezember 1930.

Postkarte von Rudolphi
Womit der IPOSTA-Geschäftsführer auch beschäftigt war: PP 113 C9 02,
Quelle: Sammlung Horst Schmollinger, Berlin

Konsequenz der mit der IPOSTA gewonnenen Kontakte und seines so gefestigten Ansehens war die Berufung in zahlreiche Preisgerichte bei internationalen Ausstellungen: beispielsweise der PEXIP in Paris 1937 und der PRAGA in Prag 1938.

Bei der Gründung des Verbandes Berlin des Bundes Deutscher Philatelisten im In – und Auslande am 14. Dezember 1933 – der Pfeiler Berlin und der Berolina – Ring taten sich zusammen - ist v. Rudolphi zum Schriftführer gewählt worden, war also auch hier wieder Vorstandsmitglied.

Auf dem Bundestag in Danzig 1934 wurde Rudolphi zum Leiter der Bundesstelle für Propaganda bestimmt, die er selbst vorgeschlagen hatte einzurichten – gleichsam als Begleitinstrument zur Realisierung seines als Öffentlichkeitsarbeit begriffenen Vorschlages, einen Tag des Briefmarkensammlers einzuführen. Als Prof. Dr. Erich Stenger als „Verbandsführer“ des Landesverbandes Berlin nach seiner Ernennung zum Professor an der Technischen Hochschule Berlin zurückgetreten war, wurde von Rudolphi am 13. Januar 1935 sein Nachfolger. Der Verband war einer der wesentlichen Träger der Gründung des Reichsverbandes der Philatelisten im Januar 1936 in Berlin, für dessen feierliche Begleitung die inzwischen zum Tag der Briefmarke modifizierte Idee Rudolphis sorgte.

Die österreichischen Philatelisten preschten vor. Sie wollten den Tag der Briefmarke an einem Erstausgabetag ihrer Wohlfahrtsbriefmarken und in der umsatzstarken Vorweihnachtszeit und feierten deswegen weltweit als erste einen Tag der Briefmarke, und zwar vom 1. bis zum 3. Dezember 1935 in Wien. In Deutschland fand die zentrale Veranstaltung des ersten Tages der Briefmarke am Geburtstag Heinrich v. Stephans, am Dienstag, dem 7. Januar 1936, im Marmorsaal des Zoologischen Gartens Berlin statt. Zugleich wurde die Gründung der neuen Einheitsorganisation der Briefmarkensammler und Philatelisten, des Reichsbundes der Philatelisten, festlich begangen.

Beleg zum Tag der Briefmarke vom 08.01.1936
Sammlerfantasie: Nachverwendete P 211, ungültig seit 31.12.1931 und auch noch um 5 Rpf überfrankiert. Quelle: Sammlung Claus Bellgardt, Moers

Das Amt des Propaganda – Leiters auf Bundesebene und das als Landesvorsitzender hat v. Rudolphi aber 1936 satzungsgemäß (Unvereinbarkeit der Ämter) aufgegeben, als er in Lauenstein auf dem Bundestag 1936 des neuen Verbandes zum Leiter der Bundesstelle für Wissenschaftliche Philatelie bestimmt wurde. Das blieb er bis der Reichsbund der Philatelisten unter Ernst Overmann Ende 1941 Anfang 1942 umorganisiert worden ist. Danach war er unter der Leitung von Gustav Kobold in der neu gebildeten Gemeinschaft Deutscher Sammler dem Aufgabenkreis 4 zugeordnet, und zwar mit der Reichsbundesstelle „Handbuch der Briefmarkenkunde“.

Mit der Bearbeitung dieser Fortführung des Kohl – Handbuches war er 1938 auf dem Bundestag in Bremen beauftragt worden. Der bisherige Bearbeiter, Dr. Herbert Munk, hatte aus Deutschland vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten fliehen müssen. (Noch beim alten Bund Deutscher Philatelisten-Verbände im In- und Auslande war Rudolphi gemeinsam mit Eugen Harry Simader und Carl Lindenberg in die Katalog – Kommission gewählt worden.)

Von Januar 1937 bis zur Einstellung des Blattes war er Kolumnist in der „Post“, die als Organ der Berliner Philatelisten groß geworden war, und schrieb Monat für Monat „Rund um die Briefmarke“, er war Mitarbeiter der Deutschen Briefmarken – Zeitung und firmierte von Oktober 1940 an als Hauptschriftleiter der Zeitschrift „Der Deutsche Sammler“, bis dieses Blatt ein Jahr später, im Oktober 1941, mit der DBZ fusionierte.

Im Jahre 1943, zum Tag der Briefmarke, wurde Hans von Rudolphi die Hans - Wagner - Medaille, die eigentlich schon 1938 zu vergeben gewesen wäre, verliehen. Die Begründung: " Die Auszeichnung für 1938 erhielt Major a. D. Hans von R u d o l p h i, Berlin, der vor zehn Jahren in einer Denkschrift die Anregung zum Tag der Briefmarke gab und der sich in langjähriger Arbeit, besonders auch als Herausgeber des Handbuches der Briefmarkenkunde große Verdienste um die Philatelie erwarb."

Da die Bombenangriffe auf das Spandauer Industriegebiet in der Nähe des Bahnhofes, wo die v. Rudolphis wohnten, im Herbst 1943 immer stärker wurden, zogen sie nach Wittenberg, in die Geburtsstadt seiner Frau Elsbeth. Hans v. Rudolphi, schon schwer krank, begab sich bald darauf in die Universitätsklinik Halle-Wittenberg; dort starb er am 6. Mai 1944 an Darmkrebs. Am 19. Mai 1944 wurde seine Asche auf dem Stadtgottesacker in Halle beigesetzt.

Grabmal von Rudolphi

Dieser Artikel erschien im Ausstellungskatalog zur 4. OHABRIA, Briefmarkenausstellung im Rang 2 und Rang 3 in Halberstadt, 14. bis 16. Mai 2010, einer Veranstaltung des Landesverbandes der Philatelisten in Sachsen-Anhalt e.V., Halberstadt 2010, S. 49 - 52.

Kontakt für Bezug des Ausstellungskatalog zur 4. OHABRIA:
Dietrich Ecklebe, Herzogstraße 24, 38889 Blankenburg
03944/350696; e-Mail: dietrichecklebe@alice-dsl.net

mehr zu diesem Thema:

  • 11.08.2010 Hans von Rudolphi
  • 26.06.2010 Ein Grabmal zur Erinnerung für Hans von Rudolphi

Geschrieben am 26.06.2010

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