Landesverband der Philatelisten in Sachsen-Anhalt e.V. im BDPh. e.V.

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Die Dienstpost in der SBZ und DDR

Von Herbert Hans Müller, Aschersleben

Dienstpost: ist „auf Inhalt der Postsendung bezogener Begriff, umfasst Gesamtheit dienstl. Post von Behörden und ihnen gleichgestellter staatl. und kommunaler Dienststellen.“ (transpress Lexikon PHILATELIE)

Gebührenablösungsverfahren: Verfügung vom 22. Oktober 1945 der Zentralverwaltung für das Post- und Fernmeldewesen in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) wird das Gebührenablösungsverfahren für Briefsendungen der ehemaligen Reichsbehörden nicht wieder eingeführt, da diese Behörden nicht mehr bestanden.

„Frei durch Ablösung Reich“: Bis 22. Oktober 1945 trugen die Sendungen der zentralen Dienststellen den Ablösungsvermerk „Frei durch Ablösung Reich“. Es wurde nur das Hoheitszeichen entfernt.

Sendungen alliierter Kontrollbehörden waren gebührenfrei. Empfänger zahlten keine Nachgebühr.

„Portopflichtige Dienstsache“: Staatliche Dienststellen konnten ihre Postsendungen als „Portopflichtige Dienstsache“ senden. Empfänger zahlten die übliche Postgebühr, jedoch ohne Zuschlag als Nachgebühr.

„Postsache“: Die Sendungen mit dem Vermerk „Postsache“ waren gekennzeichnet mit Briefstempel oder Dienstsiegel. Seit 1975 nicht mehr verwendet.

Pol-Lochungen: Das Polizeipräsidium Halle/Saale führte nach 1945 die Pol-Lochungen wieder ein. Etwa bis 1953/54.
Der VEB Carl-Zeiss Jena hatte bis 1953 die Lochung C.Z.
VP-Ganzsache: 1953 gab die Volkspolizei (VP) in den Bezirken Halle/Saale und Magdeburg für die Aufforderung zur technischen Überprüfung von Kraftfahrzeugen eigene Ganzsachen mit dem 6 Pf. Wertstempel Gerhard Hauptmann heraus. Es gab auch amtliche Ganzsachen der VP mit 12 Pf. Wertstempel Wilhelm Pieck.

Behördenpost: 1948 verfügte die Deutsche Post auf Grund der damals herrschenden Erschwernisse im Postverkehr, dass Briefsendungen mit dem Vermerk „Behördenpost“ bei allen Dienststellen bevorzugt und beschleunigt zu bearbeiten sind. Galt für staatl. Behörden, Parteien und Massenorganisationen. 1949 wurde der Schriftverkehr aller für die Volkswirtschaft arbeitenden Betriebe einschl. privater Absender wir z.B. Rechtsanwälte, Sachverständige u. ä. als Behördenpost anerkannt.
Die Sendungen wurden bei den Postanstalten abgegeben und wurden in Bunden oder Beuteln mit der Aufschrift „Dienstpost“ weitergeleitet.
Der Behördenpost gleichgestellt waren Briefe mit folgenden Vermerken:
- „Zahlungsverkehr“ für Banken und Sparkassen
- „Saat“ für Dienststellen der Land- und Forstwirtschaft, DSG, VdgB, MAS vom 01.03. – 15.05.
- „Ernte“ wie bei „Saat“, vom 01.08. – 31.10.
- „Zeitungsmater“ für Sendungen des Pressedienstes, Verlegen, Nachrichtenbüros

Geschäftspost: Statt Behördenpost wurde 1950 der Vermerk „Geschäftspost“ eingeführt. Der Vermerk „Behördenpost“ durfte aber weiter verwendet werden.

Regierungskorrespondenz: Ende 1950 – 1955 existierte eine portofreie Regierungskorrespondenz.

Postaustausch, Austausch: Beauftragte von Behörden und Betrieben lieferten die Post als Kuriere im Haus der Ministerien Berlin, Leipziger Str. ab und nahmen auch Post wieder mit. Dafür gab es Dienststellen, später übernahm dies das im Haus befindliche Postamt Berlin W 1. Dieses Verfahren wurde Postaustausch genannt. Diese unfrankierten Kurierbriefe erhielten vom Postamt W 1 einen Tagesstempel und wurden den einzelnen Ministerien zugestellt. Auch der Vermerk „Austausch“ war üblich. Beide Vermerke gibt es handschriftlich und als Stempel.

Bahnhofsendungen: Seit 1953 gab es „Bahnhofsendungen“. Diese Sendungen wurden an einer bestimmten Poststelle eingeliefert und vom Empfänger unmittelbar nach Ankunft der Züge am Bestimmungsbahnhof abgeholt. In der Anschrift musste die vorgeschriebene Postverbindung mit der Zug-Nr. vermerkt werden.

Verwaltungspost: Vom 01.10.1952 - 31.03.1956 existierte die „Verwaltungspost“ für den Versand von Schriften grundsätzlicher Bedeutung wie Verfügungen, Anordnungen, Weisungen, Berichten, Akten, Einladungen zu internen Tagungen etc. Abgabe am Postschalter wie Wertbriefe. Sie erhielten den bekannten V-Zettel aufgeklebt. Die Angabe „Verwaltungspost“ erfolgte handschriftlich, mit Schreibmaschine oder mit Stempel.
Verwaltungswertpost: Briefe wurden wie Wertbriefe behandelt. Wertangabe war jedoch nicht erforderlich, die Freimarken durften zusammenhängend geklebt werden. Versiegelung mit Siegellack war nicht notwendig.
Behandlungsgebühren:
01.10.1952 – 30.01.1954 40 Pfennig
01.07.1954 – 31.03.1956 60 Pfennig
Einstellung am 01. April 1956 mit Erscheinen des ersten Wertzeichens des ZKD.

Als Folge des verschärften kalten Krieges gegen die DDR war es 1954 unumgänglich geworden, eine Sicherung für die Postsendungen der zentralen Verwaltungsorgane und der volkseigenen Industrie zu schaffen.

Dienstmarken: Am 15. August 1954 wurden die Dienstmarken der DDR eingeführt. Alle staatlichen Organe, Betriebe und Verwaltungen der volkseigenen Wirtschaft waren verpflichtet, die von ihnen ausgehenden und nach Orten in der DDR und nach Berlin gerichteten Postsendungen mit Dienstmarken freizumachen.
Absenderfreistempel durften benutzt werden, wenn der Wertstempel in blauer Farbe abgedruckt war.
Mit Wirkung vom 06. Juli 1960 wurde die AO über die Herausgabe und Verwendung der Dienstmarken außer Kraft gesetzt. Die Dienstmarken hatten sich in der Praxis als ein nur unzureichender Schutz für den amtlichen Postverkehr erwiesen.

Zentraler Kurierdienst: Am 26. September 1955 kam eine AO über die Einrichtung eines zentralen Kurierdienstes (ZKD) des Ministeriums des Inneren heraus, um den Missbrauch der Dienstmarken zu verhindern. Von Zeit zu Zeit wurden Form und Farben der ZKD Ausgaben (Streifen, Zettel) verändert.
Die AO zum Schutze der Dienstgeheimnisse vom 06. Dezember 1971 verfügte, dass der ZKD mit Wirkung vom 01. März ausschließlich dem Transport von Dienstgeheimnissen dient.
Gemäß § 19 (6) dieser AO waren das Sammeln, Tauschen und Verkaufen von Verpackungsmitteln, die mit dem Transport von ZKD-Sendungen im Zusammenhang standen, verboten.

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