Landesverband der Philatelisten in Sachsen-Anhalt e.V. im BDPh. e.V.

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Der Vater des Struwwelpeters mit Wurzeln in Sachsen-Anhalt

von Uwe Kraus

BFMDPAGHoffmann2009
Heulalius von Heulenburg, Polykarpus Gastfenger, Reimerich Kinderlieb oder Peter Struwwel, hinter diesen Pseudonymen verbarg sich ein Irrenarzt. Der Mediziner, der sich mit geistig Behinderten und psychisch Auffälligen befasste, blieb den Menschen weniger wegen seiner Innovationen in diesem Fachgebiet im Gedächtnis, sondern wegen seines literarisches Nachlasses.

Trotzdem, Medizinhistoriker verweisen darauf, dass auf dem Affenstein vor den Toren Frankfurts Dr. Hoffmann das wegen seines Baustils so genannte „Irrenschloss“ schuf, seinerzeit die modernste Psychiatrieklinik Europas. Der vor 200 Jahren in Frankfurt am Main geborene Heinrich Hoffmann schrieb den „Struwwelpeter“. Ein wunderbares Bilderbuch, das Generationen von Kindern beschäftigte. Ziemlich harter Stoff, mag man meinen: verhungert, verstümmelt, verbrannt, die Grusel-Agenda könnte ausgedehnt werden. Zeitgenossen hinterließen, dass der Mediziner und Autor seinen Figuren nicht ganz unähnlich war: Hyperaktiv wie sein Zappel-Philipp und mit zotteliger Mähne wie sein Hauptheld, dazu mit einem ziemlichen Bartwuchs.
Großherzig sei er gewesen und wollte keineswegs mit seinen doch recht martialisch wirkenden Geschichten Kinder erschrecken. In seiner Heimatstadt Frankfurt am Main verehrt man ihn sehr, dort findet sich sogar seit 1977 ein Struwwelpeter-Museum. Aber auch in Sachsen-Anhalt hinterließ er seine Spuren. Am 10. August 1833 promovierte Hoffmann nach dem Studium der klinischen Medizin an der Universität Halle.
Weihnachten 1844 grübelte der Arzt, damals in der Armenklinik in der Meisengasse tätig, über ein Weihnachtsgeschenk für seinen dreijährigen Sohn Carl nach. Es sollte wenig Text, aber viele Bilder haben. Im Handel fand er nichts und begann selbst zu zeichnen und zu reimen. Die „lustigen Geschichten und drolligen Bilder für Kinder von drei bis sechs Jahren“ wie es im Untertitel zum Struwwelpeter heißt, erblickten das Licht der Bücherwelt. Vielleicht schöpfte er die eine oder andere Idee aus seinem medizinischen Alltag. Daraus resultiert die Urfassung, in der die schwarzen Buben, der fliegende Robert und Hans-Guck-in-die-Luft noch fehlten. Im Jahr darauf erschien unter Pseudonym die erste Druckfassung.

BFMDPAGStruwelpeter1994

Denn auch Hoffmanns erwachsenen Freunden gefiel das Werk mit Grusel-Faktor mit Moral und Reiz des Verbotenen. So gilt Zacharias Löwenthal als sein erster Verleger. Der war Partner des Manufakturwarenhändlers Jospeh Rütten bei der „Literarischen Anstalt Frankfurt am Main“. Seinen jüdischen Namen änderte er 1857 in „Loening“ um, heute noch im Traditionsverlagsnamen Rütten&Loening präsent. Er erkannte den völlig neuartigen Typ von Kinderbuch und drängte Hoffmann zur Veröffentlichung. 3000 Exemplare umfasste die Erstausgabe, die heute als bibliophile Rarität gilt. Unterdessen zeugen Übersetzungen von Afrikaans über Chinesisch bis Rätoromanisch von der weltweiten Verbreitung des Buches. Bis heute ist der Struwwelpeter in über 40 Sprachen übersetzt worden.
1994 erschienen zum 100. Todestag von Dr. Heinrich Hoffmann Jugendmarken mit Bildausschnitten aus dem Kinderbuch „Der Struwwelpeter“. Abgebildet sind Paulinchen, Hans Guck-in-die-Luft, Struwwelpeter, der böse Friederich und der Zappel-Philipp. Zu seinem 200. Geburtstag griff die Post bei ihrer von Arne Sänger gestalteten Marke zum Zeitungssendungstarif wieder auf Hans Guck-in-die-Luft zurück.

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