Briefmarkenvereine aus Sachsen-Anhalt im Philatelisten-Verband Berlin-Brandenburg e. V.

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Europäische Auszeichnung für den Wittenberger Briefmarkensammlerverein



[Wiedergabe eines Presseartikels des SuperSonntag Wittenberg vom 11.8.2018, S.8]

Philatelisten der Lutherstadt fahren zur Weltausstellung „Praga 2018“.

Wittenberg (wg). „Das ist schon eine große Auszeichnung für unseren kleinen Verein“, freut sich Dr. Richard Thomas, Vorsitzender des Briefmarkensammlervereins (BSV) Wittenberg, im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. Am 19. August bekommen die Wittenberger Philatelisten im Kongresszentrum in Prag einen der vier begehrten FEPAAwards (Federation European Philatelic Associations) im Rahmen des Europäischen Philatelistenkongresses überreicht.
„Dass wir neben der Royal Philatelic Society London, dem Verein der italienischen Militärbrief-Sammler Rom und dem Philatelistenclub Tallinn ausgezeichnet wurden, erfüllt uns mit
Stolz“, betont Thomas, „damit war wirklich nicht zu rechnen, zumal die FEPA 75 Mitgliedsverbände zählt.“ In der Begründung heißt es, der BSV habe mit der philatelistischen Begleitung der Lutherdekade von 2008 bis 2017 und der Internationalen Ausstellung zum 115. Deutschen Philatelistentag in der Wittenberger Exerzierhalle im September 2017 europaweit Ausstrahlung erzielt. Dazu zähle auch die 160 Seiten starke BSV-Festschrift.
Bereits Mitte Februar erreichte das Protokoll der FEPA-Exekutive aus Genua mit der freudigen Botschaft die Lutherstadt. Anlässlich der Weltausstellung in Prag und dem FEPA-Kongress
wird Thomas einige bekannte Juroren wieder treffen. Die Praga findet seit 1938 alle zehn Jahre statt. „Auf der Praga 1988 waren die Wittenberger mit 40 Sammlern vor Ort, damals noch mit DDR-Währung in der Tasche und langen Warteschlangen vor den historischen Ausstellungshallen von 1891“, erinnert sich Thomas.
„Als lustiges Quartier für 80 Leute zusammen mit einer kanadischen Gruppe diente eine Turnhalle.“
Damals wurde die 16-jährige Tanja Thormann Europameisterin der Jugendphilatelie. Ihren Siegerpokal nahm ein Funktionär mit nach Berlin und ihr verblieb lediglich die Urkunde. In der nächsten Woche fahren die Wittenberger Philatelisten mit 18 Teilnehmern erneut in die Goldene Stadt zur Weltausstellung „Praga 2018“, dieses Mal mit Euro und vorgebuchter Hotelübernachtung.
Auch Dr. Tanja Thormann wird wieder dabei sein, 30 Jahre später als Neurologin und leitende Oberärztin in einer Wittenberger Klinik.
Für den BSV ist die Auszeichnung eine große Nummer und einer der Höhepunkte in seiner 98-jährigen Geschichte.
Gegründet wurde der Verein am 4. Oktober 1920 im Gasthof „Zur Sonne“ bei Paul Frankenhauser, Ecke Bürgermeister- und Mauerstraße.
Richard Thomas ist seit 1982 dabei und seit 2008 Vorsitzender des BSV. Mit dem Schwung des Reformationsjahres 2017 und seiner umfangreichen Adressdatei von Luthersammlern aus Europa und Übersee initiierte er im Mai 2018 die Gründung einer philatelistischen Arbeitsgemeinschaft „Reformationsgeschichte“, welche die Dürer- und Lutherzeit umfasst (der Wittenberger Sonntag berichtete).
500 Jahre Antrittsrede 1518 stiftete Kurfürst Friedrich der Weise an seiner 1502 gegründeten Universität Wittenberg einen Lehrstuhl für Griechische Sprache. Martin Luther und Georg Spalatin wollten einen Mann aus Leipzig, Kurfürst Friedrich der Weise hatte es auf den damals bekanntesten Gräzisten Johannes Reuchlin abgesehen, der aber lehnte jedoch aus Altersgründen ab und empfahl seinen Schüler Philipp Melanchthon.
Da Melanchthon während seiner Tübinger Zeit bereits auf sich aufmerksam gemacht hatte, nahm man die Empfehlung Reuchlins an. Mit einem fertigen Programm für eine erweiterte Studienreform betrat Melanchthon die Stadt Wittenberg am 25. August 1518 von Leipzig kommend durch das Elbtor. Seine schmale und kleine Gestalt von 1,50 Metern, verbunden mit einem kleinen Sprachfehler, beeindruckte die Wittenberger zunächst wenig. Als jedoch Melanchthon seine ausgefeilte Antrittsrede („De corrigendis adolescentiae studiis“ – „Über die Neugestaltung des Studiums der Jugend“) am 28. August in der Schlosskirche hielt, schlug der erste Eindruck völlig um. „Vermeintest, er wäre ein Knab“, so ein damaliger Student, „von Geist aber ein Ries.“
Luther sprach sich jetzt vorbehaltlos für Melanchthon aus.
Diese Faszination beruhte auf Gegenseitigkeit und wurde in der Folge zu einer der wichtigsten Kooperationen der Reformation, die erst mit Luthers Tod endete. Schnell erkannten auch die Studenten, welches Potential Melanchthon in sich barg, er war ein überaus beliebter Universitätslehrer. Er lehrte griechische Grammatik, las über antike Autoren, erklärte biblische Bücher und verband dies mit Wissensbildung auf zahlreichen Gebieten. Als Melanchthon am 19. April 1560 in seinem Arbeitszimmer im Melanchthonhaus starb, mussten nicht weniger als fünf neue Professoren eingestellt werden, um diese Lücke zu füllen.
Aktionstage des BSV Aus Anlass von 500 Jahre Antrittsrede ist der BSV mit einem Stand und Sonderstempel Melanchthon im Einkaufszentrum Arsenal am 25., 27. und 28. August, jeweils von 11 bis 17 Uhr, präsent. Angeboten werden zwei Pluskarten Philipp Melanchthon sowie eine Ganzsache Kardinal Albrecht von Brandenburg, Gegenspieler Luthers, mit Sonderstempel Halle/Saale vom 1.August. Von Interessenten geschriebene Post sendet der Verein zur Abstempelung an das Postzentrum Weiden/Oberpfalz.
An allen drei Tagen werden Restbestände von Sonderstempeln der Reformationsdekade 2008-2017 angeboten.

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