Landesverband der Philatelisten in Sachsen-Anhalt e.V. im BDPh. e.V.

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Open Philately - Eine neue Chance für Aussteller



Von Rüdiger Fritz und Günter Woelk

Der Zug ist schon vor längerem ins Rollen gekommen. In den 80-ger Jahren des vorigen Jahrhunderts gab es in Australien und Neuseeland Versuche, die Thematische Philatelie durch eine Offene Ausstellungsklasse zu bereichern. Im darauffolgenden Jahrzehnt griffen Skandinavier die Idee auf wie auch in Großbritannien die Social Philately und in den USA die ähnlich geartete Display Class erste Anhänger fand. Alle einte das Ziel, den Ausstellern mehr Phantasie und Kreativität in ihren Exponaten zu gewähren.
Dass diese neue Philatelie-Klasse lange nicht über die Startphase hinauskam, lag mit an einem fehlenden einheitlichen Regelwerk. Das änderte sich, als der Philatelie-Weltverband (FIP) auf seinem Kongress 2004 in Singapur sich der Angelegenheit annahm und der Offenen Klasse zumindest einen Experimentier-Status zubilligte. Dabei wurden zwei Dinge festgeschrieben: Das gezeigte Material musste zu 50 Prozent aus Philatelie bestehen und keines der Ausstellungsstücke durfte stärker als 5 Millimeter sein. Der FIP-Kongress 2012 in Jakarta leitete den weiteren Aufschwung ein, indem der Begriff Open Philately international als offizieller Begriff eingeführt wurde. Das Punkte-Regelwerk wurde dem der anderen philatelistischen Wettbewerbsklassen angepasst.
Der etwas ausführliche Rückblick soll verdeutlichen, dass es mitunter viel Geduld erfordert, einer Idee zum Durchbruch zu verhelfen. Oder wie der Volksmund sagt: Gut Ding will Weile haben. Auch bei Ausstellungen in Deutschland taucht seit Jahren bei Ausstellungen die Offene Klasse auf, mehr oder weniger als Beimischung mit einer sehr überschaubaren Anzahl von Exponaten, die die außerdem von einer Bewertung durch die Juroren ausgeschlossen waren.
Das ist nun Geschichte. Die Open Philately ist mittlerweile weltweit als Wettbewerbsklasse zugelassen. Es liegt an den Vertretern dieser Klasse, ihr die entsprechende Anerkennung zu verschaffen. Neue Chance, neues Glück? Auf jeden Fall eine reizvolle Herausforderung gerade für die Thematische Philatelie und speziell für die Sport- und Olympiasammler. Eine erste Gelegenheit ergibt sich bei der Ausstellung EXPHIMO vom 3. bis 5 Juni 2017 im luxemburgischen Bad Mondorf. Der Bund Deutscher Philatelisten (BDPh) startet im Rahmen der EXPHIMO 2017 ein Pilotprojekt für die Open Philately im Rang 3. IMOS-Mitglieder können dabei gleich den Neuling begutachten. Denn unser Verein ist gerade dabei, eine aus fünf Sammlern bestehende Mannschaft für den 1-Rahmen-Wettbewerb des VPhA (Verband Philatelistischer Arbeitsgemeinschaften) zu formieren, ein Höhepunkt neben der Open-Philately-Ausstellung.
Viele unserer IMOS-Mitglieder besitzen herrliche philatelistische Sammlungen. Doch nur ein vergleichsweise kleiner Kreis stellt in den Wettbewerbsklassen aus. Vielfach ist als Grund für die Abstinenz zu hören, dass man vielleicht doch nicht über ausreichend Material verfügt, das gestrenge Regelwerk eine zu hohe Hürde darstellt und man sich die Enttäuschung eines unter den eigenen Erwartungen liegenden Resultates ersparen möchte. Die Open Philately könnte einen sanfteren Einstieg auf das glatte Wettbewerbs-Parkett ermöglichen, weil den Ausstellern durch die großzügige Verwendung von nicht-philatelistischem Beiwerk mit einem Anteil von bis zu 50 Prozent des Exponates weniger Grenzen gesetzt sind. Man kann aus dem Vollen schöpfen. Wer in seinen Fundus schaut, wird feststellen, dass sich im Laufe der Zeit viel mehr angesammelt hat als Briefmarken und Belege aller Art. Erwähnt seien Autogramme, Eintrittskarten, Münzen, Medaillen und Abzeichen, Fackeln, Urkunden, Programmhefte, Startnummern, Telefonkarten oder Trikots und weiteres mehr. Die Phantasie kann sich austoben, aus all diesem Material ein Exponat zu gestalten. Dem nicht-philatelistischem Material wird bei der Bewertung durch die Jury, die das 100-Punkteformat wie in allen anderen Wettbewerbsklassen anwendet, ein hoher Stellenwert eingeräumt. Immerhin 25 Punkte können in den Kategorien Bearbeitung und Bedeutung (10 Punkte) und Kenntnisse und Forschung (15) vergeben werden.
Der Aufbau des Exponates unterscheidet sich nicht von dem in den anderen Klassen. Das gewählte Thema muss als eine einheitliche Geschichte erzählt werden. Ein Bruch zwischen dem philatelistischen und nicht-philatelistischen Bestandteil ist zu vermeiden. Im Idealfall soll alles bestens zusammenpassen. Für beide Komponenten wird eine exakte Beschreibung verlangt. Die Open Philately fordert auch den Preisrichtern mehr ab. Ist es für die Juroren in manchen Fällen schon schwierig genug, die Bedeutung des Themas und den Wert des Materials eines philatelistischen Exponates einzuordnen, so kommt für sie der nicht-philatelistische Teil hinzu, mit dem sie vielleicht anfangs weniger anzufangen wissen. Um der Jury behilflich zu sein, sollte auf die Beschreibung dieser Stücke besonderer Wert gelegt werden. Sicher ist es ein Handicap, dass in einen Philatelie-Ausstellungsrahmen nur Material bis zu einer Stärke von 5 Millimeter passt. An alles, was über einen halben Zentimeter misst, wurde ebenfalls gedacht. Vitrinen für größere Stücke sollen die herkömmlichen Rahmen ergänzen. Doch das könnte sich angesichts der Kostenfrage für manchen Veranstalter als schwierig erweisen. Gleich wie, die Open Philately wird ihren Weg gehen. Das Reizvolle ist: Wir können von Beginn an dabei sein.

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