Landesverband der Philatelisten in Sachsen-Anhalt e.V. im BDPh. e.V.

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Philatelistische Highlights zu Beginn des Reformationsjahres im Oktober 2016



Die Wittenberger Philatelisten begleiten seit 2008 die Lutherdekade mit Sonderpostämtern zu Ereignissen der Reformation. Bei Luther-Sammlern – Anfragen kamen sogar aus Australien und den USA – sind diese thematischen Stempel begehrt. Im Oktober 2016 werden zwei wichtige Ereignisse postalisch gewürdigt:

Presseinfo Sonderstempel Okt. 2016 Wittenberg Thom
2. Oktober 2016 – Wiedereröffnung der Wittenberger Schlosskirche (Sonderstempel siehe Bilder)

Nach dreijähriger Generalsanierung wird am 2. Oktober mit einem Festgottesdienst im Beisein von Königin Margarethe II. von Dänemark und Bundespräsident Joachim Gauck die Wittenberger Schlosskirche wieder eröffnet. Die Kirche als Bestandteil der Schlossanlage Friedrich dem Weisen (1463-1525) wurde 1503 geweiht und war ab 1507 Universitätskirche. Im Siebenjährigen Krieg 1760 brannte die Kirche völlig aus, auch Luthers Tür seines (angeblichen) Thesenanschlages 1517. Der Wiener Kongress schlug 1815 den Kurkreis Wittenberg Preußen zu. König Friedrich Wilhelm IV. ließ 1858 die bis heute erhaltene Bronzetür mit Luthers 95 Thesen als Portal einbauen. Anlässlich Luthers 400. Geburtstag 1883 wurde von 1887 - 1892 die Schlosskirche im neugotischen Stil als „Ruhmeshalle der Reformation“ – der Protestantismus war nun Staatsreligion - von Kaiser Wilhelm II. als oberstem Bischof der preußischen Landeskirche eröffnet.
Die Kirche als Teil des UNESCO-Weltkulturerbes beherbergt Gräber berühmter Persönlichkeiten, neben Luther und Melanchthon an zentraler Stelle befinden sich im Altarraum Denkmale von Friedrich dem Weisen und Johann dem Beständigen. Der Sonderstempel zeigt Friedrich den Weisen mit Kurschwert als Detail des Bronze-Epitaphs (1527) von Peter Vischer d.J. aus Nürnberg.

201610AKWITLuther

Sonderpostamt nur am Sonntag, 2.10. 2016: Da die Kirche wegen der zahlreichen Ehrengäste über mehrere Stunden nicht öffentlich zugänglich sein wird, nimmt das Sonderpostamt der Deutschen Post „Team Erlebnis Briefmarken“ seinen Standort im Schlosspavillon (gegenüber Schlosskirche), Schlossplatz 6 von 9.00 bis 16.30 ein und ist für die Bevölkerung erreichbar. Wittenberger Philatelisten werden gestempelte Belege auch am 3. Oktober in beiden großen Kirchen der Stadt anbieten!
31. Oktober 2016 – Wittenberger Sonderstempel (ohne Sonderpostamt!) Luther – Tetzel
Seit Jahrhunderten wird der Dominikanermönch und Ablassprediger Johannes Tetzel (1465 – 1519) mit seinem Spruch „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt“ zitiert. Würde man es heute eher als „Vollkaskoversicherung für das Jenseits“ beschreiben ? Immerhin war es ein dreister Ablasskrämer, der Luther gegen sich aufbrachte und letztlich berühmt machte !
Tetzel wurde im sächsischen Pirna geboren, wurde Mönch und erkannte sein kaufmännisches Talent bereits 1505 für den Deutschen Ritterorden. Nach einem Intermezzo als Prior in Glogau zog er von1505 bis 1510 als Ablassprediger durch Sachsen. Wegen unsoliden Lebenswandels wechselte er das Revier und war in Süddeutschland und Tirol unterwegs. Wegen Ehebruchs und Spielbetruges wurde der fromme Mönch zum Tode durch Ertränken verurteilt. Er hatte Glück, dass Friedrich der Weise gerade bei Kaiser Maximilian in Innsbruck weilte und „seinen“ sächsischen Mönch rettete. 1516 ernannte ihn das Bistum Meissen zum Subkommissar für den Bau des Petersdoms in Rom. Er verzeichnete große Einnahmen und wurde rasch Generalkommissar für die Bistümer Magdeburg und Halberstadt. Im Auftrag von Kardinal Albrecht von Brandenburg war er in Halle, Eisleben, Zerbst und Jüterbog unterwegs. Für den Kurkreis Wittenberg hatte er ein Verbot. Deshalb pilgerten viele Wittenberger 1516 in einem Tagesmarsch nach Jüterbog, um dort bei Tetzel ihren Ablass zu kaufen, selbst für Sünden, die sie noch gar nicht begangen hatten! Luther war sichtlich verärgert über diesen Betrug im Namen des Herrn.
Ihm kam dieser eifernde Dominikanermönch nun gerade recht, hatte doch der frühneuzeitliche Ablasshandel endlich einen Namen und ein Gesicht! Den Ablass, den kirchlichen Erlass von Sünden gegen Geld oder Sachleistungen hatte es das ganze Mittelalter gegeben. Für die sehr weltlich lebenden und stets klammen Päpste der Renaissance war der Ablass eine wichtige Einnahmequelle.
Am 31. Okt.1516, dem Vorabend des Patronatstages und exakt ein Jahr vor seinem Thesenanschlag, predigte Luther in der Schlosskirche erstmals gegen den Ablass. Das Fest Allerheiligen war stets mit einer Ausstellung von Reliquien aus der Sammlung Friedrichs des Weisen verbunden und zog Tausende Gläubige in die Stadt. Luther – Augustinermönch und zunehmend kritischer Katholik - hatte ein Publikum und argumentierte: Wer über seine Sünden wirklich Reue empfindet, der entzieht sich nicht der Strafe durch Geld. „Ablass“ hieß für Luther, die Kirche lasse das Sündigen zu und er kündigte an „nun will ich der Pauke ein Loch machen…“ Das ist ihm mit seinem Thesenanschlag 1517 grandios gelungen.
Die Philatelisten haben auf diesen Sonderstempel gewartet! Noch nie gab es beide Mönche und erbitterte Gegner zusammen auf einem Poststück. Dieser Stempel leitet postalisch das Reformationsjahr 2017 ein, welches als Höhepunkt Luthers Thesenanschlag vor 500 Jahren begeht.
Der Wittenberger Briefmarkensammlerverein wird auch diesen Anlass vor Ort begleiten und ist bereits vom 7.-10. September 2017 zusammen mit dem BDPh Ausrichter des 115. Deutschen Philatelistentages in der Lutherstadt. Wir freuen uns auf Ihren Besuch in Wittenberg !

Bestellungen von Karten mit SST (pro SST je zwei verschiedene Belegmotive) an:

Dr. Richard Thomas, Rebenweg 24, 06886 Lutherstadt Wittenberg
Mail: dr.r.thomas(at)web.de, Tel. 03491 874405

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