Landesverband der Philatelisten in Sachsen-Anhalt e.V. im BDPh. e.V.

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Die außerordentliche Reichsabgabe 1916



von Klaus Hirschfeld Haldensleben

Wir schreiben das Jahr 1916, der 1. Weltkrieg ist im vollen Gange und kostet immer mehr Geld. Die Bevölkerung zu Hause litt schwer unter Lebensmittelmangel und eine wachsende Friedenssehnsucht machte sich breit. Das Beharren der Regierung den Krieg bis zur völligen Niederwerfung des Gegners fortzuführen. Die innenpolitische Situation der Reichsregierung unter von Bethmann-Hollweg suchte immer neue Einnahmequellen, um die Kriegskosten zu decken.
Aus diesem Grunde kam es am 21. Juni 1916 zu einem Gesetz, betreffend eine mit den Post- und Telegrafengebühren zu erhebende außerordentliche Reichsabgabe.
Diese außerordentliche Reichabgabe betraf die Postgebühren, die seit dem 1.Januar 1875 nahezu gleich geblieben waren. So erhöhten sich die Gebühren nach Inkrafttreten des Gesetzes am 1. August 1916 um 50 %. Für einen Ortsbrief und eine Postkarte mussten 7 ½ Pfennig statt 5 Pfennig, für einen Fernbrief 15 Pfennig statt bisher 10 Pfennig bezahlt werden.

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Brief (Ortsverkehr) vom 3.10.(19)16 von Neuhaldensleben an Frau Wenkebach in der Volksküche. (Wenkebachheim !) Gebühr 5 Pfennig (entsprechend gültiger Gebührenordnung 1.1.1875 bis 31.7.1916) plus 2 ½ Pfennig außerordentliche Reichsabgabe (3x 2 ½ Pfennig = 7 ½ Pfennig)

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Postkarte von Neuhaldensleben nach Loitsche Kr. Wolmirstedt vom 18.6. (19)18 (innerhalb der Gebührenperiode 1.8.1916 bis 1.10.1918)
Die Ansichtskarte zeigt den Garten vom Gasthof zum Stern in Wedringen, wohl noch zu Friedenszeiten.

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Am 28.Juli 1916 erschienen 3 Werte zu 2 ½, 7 ½ und 15 Pfennig, im Mai 1917 ein weiterer 15 Pfennig Wert in geänderter Farbe. Am 1. Oktober 1918 kam eine 2 Pfennig-Marke als Ergänzung an die Postschalter.

Es wurden ebenfalls Postkarten zu 7 ½ und 15 Pfennig herausgegeben. Die in die Schweiz gesandte Ganzsache vom 9.12.16 aus Reideberg unterlag der Zensur (Geprüft Überwachungsstelle Freiburg Breisgau IV. Armeekorps)

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Vom Porto zu 10 Pfennig wurden als außerordentliche Reichsabgabe 5 Pfennig abgerechnet.

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1920 kostete die Fernpostkarte schon 30 Pfennig, benutzt wurde eine Antwortpostkarte 7 ½ + 7 ½ Pfennig und 15 Pfennig Zusatzporto. Eingeliefert in Jessnitz über Bahnpost Magdeburg-Zerbst-Leipzig Zug 401 am 13.6.1920.

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Wer noch ältere Postkartenformulare hatte, versuchte sie natürlich aufzubrauchen. In der Portoperiode 5 vom 6.5.1920 bis 30.3.21 (330 Tage) betrug das Porto 30 Pfennig. Entwertet wurde der Wertstempel mit dem
spitzovalen Bahnpoststempel Weferlingen – Neuhaldensl. im Zug 1 zum Sylvester 31.12.1920. Das war aber erst der Anfang der Inflation, bis Ende November 1923 stieg das Porto ins Undenkbare.

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