Landesverband der Philatelisten in Sachsen-Anhalt e.V. im BDPh. e.V.

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Der Beginn der Landpostverkraftung 1928/1929



von Klaus Hirschfeld, Haldensleben

Vor rund 80 Jahren fuhren die ersten Postautos und es wurde bei der Reichspost ein neuer Dienstzweig eingerichtet, damit entstand auch ein neues Sammelgebiet. Die Einführung der Landkraftpost geht auf eine Denkschrift „Umgestaltung des Landpostwesens“ vom Ministerialrat Schwarz im Reichspostministerium, abgedruckt in der Verfügung vom 21.7.1926 zurück. Es wurde u a vorgeschlagen: mindestens einmal tägliche Bestellung aller Landorte, zweimal tägliche Abholmöglichkeit der eingegangenen Post bei den Poststellen, frühere Zustellung und Verbesserung von Paketzufuhr und Paketabgang. Nach Umfragen bei den einzelnen Reichspostdirektionen und Landwirtschaftskammern wurde eine endgültige Regelung durch die Vfg. Vom 31.12.1927 angeordnet. Die Einführung der Landkraftpost wurde mit Beginn des Rechnungsjahres 1928 festgelegt.
Die Tageszeitungen teilten ihren Lesern diese Neuigkeit in Presseartikeln mit.


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Kopie aus der Tageszeitung „Stadt – und Landbote“ Teil 2 Neuhaldensleben vom 19.08.1926

Die wichtigsten Grundsätze waren:
Ersatz der Marschleistung der Landzusteller durch Kraftwagenfahrten, soweit möglich zweimal täglich, Anpassen der Postanstalten durch Einrichten kleiner Postanstalten mit voller Annahmebefugnis, Zustellung durch den Inhaber (oder seine Beauftragten) im Anschluss an die Hauptfahrt, Gelegenheit zum Abholen der eingegangenen Post im Anschluss an die zweite Fahrt. Im März 1928 erschien eine „Vorläufige Dienstanweisung für Poststellen“ (DA für Pst.)
Damit war ein neues Sammelgebiet entstanden, das auch neue Begriffe brachte. Die neuen kleinen Postanstalten hießen nunmehr „Poststellen“, die Landkraftposten (Lkp) gingen von Leitpostämtern (LPA) ab, die eine besondere Dienststelle hatte, die Landpoststelle, die eng mit dem Briefeingang zusammen arbeitete, sie hatte auch einen besonderen Tagesstempel (damals noch Aufgabestempel) genannt, mit dem Zusatz (Land).
Als Autos wurden Phänomen – Landkraftwagen Granit RL als 2- oder 4 – Sitzer eingesetzt, die mit luftgekühlten Motor ausgerüstet waren. Die Wagen erreichten ca. 45 Km/h und konnten bis 750 Kg Nutzlast befördern, neben dem Fahrer befand sich auch ein Wertgelass und eine Mitfahrgelegenheit.
Die jeweilige Vorbereitung bei den einzelnen Leitpostämtern, in der Regel mit günstigem Eisenbahnanschluss, zog sich verständlich in die Länge. Es mussten die Wegeverhältnisse und Rundkurse festgelegt werden und es mussten geeignete Bewohnern zur Übernahme der Poststelle (Pst) gefunden werden und auf das Briefgeheimnis vereidigt werden.
In der Regel wurden die Bediensteten der PAg m. e. B. (Postagenturen mit einfachem Betrieb) und der Post – und Telegraphen – Hilfsstellen zur Übernahme der Poststellen gewonnen. Vereinzelt wurden aber auch Postagenturen zurück gestuft, zur normalen Poststelle, hierbei wurde der Aufgabestempel eingezogen.
Die PSt. waren Postanstalten im Sinne des § 29 der Postordnung und was das Sammelgebiet so interessant macht, sie erhielten einen Gummistempel, den so genannten Poststellen – Stempel.



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Es kann davon ausgegangen werden, dass die Stempel in Schrifttype „Grotesk“ in Großbuchstaben im Auftrag der OPD Magdeburg von ein und dem selben Stempelhersteller geschnitten wurden. Die Länge der Stempel richtete sich nach der Buchstabenanzahl der Poststellen.
Zu den Aufgaben der neuen Poststellen gehörten:
• Sie hatten volle Annahme – und Ausgabebefugnis der Postsendungen
• Zustellung der mit der Kraftpost eingegangenen Sendungen an die Empfänger im Ort und der zum Ort gehörigen Umgebung.
• Verkauf von Postwertzeichen
• Annahme von Telegrammen,
• Vermittlung von Telefongesprächen,
• Einziehung von Zeitungsgeld,
• Auszahlung von Renten.
Zur Ausstattung einer Poststelle gehörten ein Posthausschild, ein Briefkasten, ein Arbeitstisch mit abschließbarer Schublade bzw. ein kleiner abschließbarer Wandschrank, Paketwaage, eine Briefwaage mit Gewichten, Ortsgummistempel und Stempelkissen, Markenmappe, Zustelltasche, Armband, Paketzonenbuch, Verzeichnis der Postanstalten in der Nahzonen, Gebührenübersicht, Geldschwinge und die Dienstanweisung.
Jede Poststelle wurde an das Fernsprechnetz angeschlossen und es wurden die eventuell vorhandenen so genannten öffentlichen Fernsprechstellen einer Gemeinde durch die Fernsprechstelle in der Poststelle ersetzt.
Über Stempel, Freistempel und Aufgabezettel wurde ausgeführt:
„ Die PSt. erhalten einen Gummistempel in rechteckiger Form, der lediglich ihren Namen und den des LPA mit dem Zusatz „Land“ trägt, z.B. Neuenhofe Neuhaldensleben Land. Tages –und Stundentypen enthält der Stempel nicht. Dieser Stempel ist auf allen Sendungen neben der Marke abzudrucken. Werden im Bereich einer PSt Freistempel benutzt, so erhalten diese im Aufgabestempel die amtliche Bezeichnung der PSt. Die Entscheidung darüber ob den PSt in besonderen Fällen Aufgabezettel geliefert werden können, bleibt vorbehalten,….die Stempel der Landabferigung (auch Postanweisungsstempel) sowie die Aufgabezettel erhalten den Zusatz „Land“ z.B. „Neuhaldensleben Land.
Die probeweise Verkraftung des Landzustelldienstes im Bereich der OPD Magdeburg wurde im ersten Halbjahr 1928 in Ascherleben und Halberstadt eingeführt. Diese probeweise Verkraftung des Landzustelldienstes bewährte sich so gut, dass das Reichspostministerium verfügte, dass am 1.06.1928 „60 Postämter Landkraftposten einzurichten hatten“
Die Reichpost baute in den folgenden Jahren die Verkraftung des Landzustelldienstes stark aus. So bestanden bis zum 1.4. 1933 bereits 840 LPÄ, von denen insgesamt 16 600 PSt bedient wurden.
Die folgende Seite bringt eine Aufstellung der Leitpostämter der OPDn Magdeburg und Halle, wobei die Ämter mit einem „X“ gekennzeichnet, einen Stempel mit dem Zusatz „Land“ hatten. Wobei ich bemerken möchte, dass die LPÄ ohne „x“ nach 1933 eingerichtet wurden, den da hieß es Ort über Leitpostamt. Einrichtungsdaten mit Quellenangabe sind


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X = Das Leitpostamt besitzt einen Poststempel mit dem Zusatz „Land“

Das Leitpostamt 29 wurde am 31. März 1935 durch die Eingemeindung der Stadt Roßlau in die Stadt Dessau aufgelöst.
Ähnlich liegt der Fall bei den Leitpostämtern 31 und 32.

Bekannte Eröffnungsdaten
1928 Aschersleben und Halberstadt,
01.08.1929 Neuhaldensleben, Magdeburg, Staßfurt und Wolmirstedt,
01.02.1931 versuchsweise, 15.05.1931 Eilsleben,
01.11.1931 Oschersleben,
01.02.1935 Oebisfelde,
06.10.1935 Arendsee (Altmark) und Diesdorf (Altmark)

Es gibt in jedem Bereich beachtenswerte Gummistempel, wie z.B. Sülldorf, Wellen und Woltersdorf, jeweils untere Zeile (Bezirk Magdeburg) gehören zu Magdeburg 1. Das Leitpostamt Halberstadt hat als Besonderheit folgende Poststellen: Am Wasserwerk, Siedlung am Goldbach, später Siedlung Goldbach oder Siedlung Gartenstadt.
Einen großen Stempel mit vielen Buchstaben zeigt folgender Abschlag:
Zuckerfabrik Alleringersleben Eilsleben (Bezirk Magdeburg) Land


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Auszug aus der GEA-Postleitkarte Auflage 1932, die hellen Bereiche sind noch nicht verkraftet.

Das Leitpostamt Eisleben hat nur eine Poststelle (Volkstedt). Das Leitpostamt Halle besitzt keinen Stempel mit Zusatz „Land“ man trifft Stempel von Halle 2,7 und 8, je nachdem wo das Auto die Post aufgibt. Von Merseburg besondere Poststellen sind: Neumark-Siedlung, Siedlung Exerzierplatz und Siedlung Freiimfelde. Interessante Poststellen sind auch Altenburger Weinberge, Rudelsburg, Saaleck oder Schulpforte sämtlich Naumburg (Saale).
Einen vierzeiligen Poststellenstempel gibt es von der Poststelle: Grünewalde Mückenberg (Kreis Liebenwerda) Land.


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Vereinzelt kommen auch Poststellenstempel in Verbindung mit Bahnpoststempeln auf, dabei hatten die Poststellen mit der Bahnpost Kartenschluss.
Die Poststellenstempel sollten in schwarz abgedruckt werden, violett kommt häufig vor, während grün selten ist. Eröffnungsdaten an die Redaktion sind sehr erwünscht.

Verwendete Literatur und Quellen
Vfg. Vom 31.12.1927 /171V-0 Richtlinien für die Umstellung des Landpostwesens auf Kranftwagenfahrten.
Die Landpostverkraftung >Dokumente und Literaturquellen 1/80,2/81 und 3/82< Beilage zu den Rundschreiben „Postgeschichtliche Heimatsammlungen“
Dr. H. J. Anderson Kiel 50 Jahre Landkraftpost (1928-1978) Verbesserung der Landpostdienstes – Einrichtung von Poststellen. Sonderbeilage zum Gildebrief 135 der Poststempelgilde „Rhein-Donau“ e.V. 34. Jg. 1980
W. Patz Hohenleuben „Die Landpostgebiete des Deutschen Reiches“ in Internationale Martkbörse bzw. Phila-Post 1932-1936
W. Herzog Calvörde „Die Verkraftung der Landpostbestellung im Deutschen Reich“ in der Sammlerwoche 12 Jg. 1929

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