Landesverband der Philatelisten in Sachsen-Anhalt e.V. im BDPh. e.V.

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Ein Symposium mit namhaften Referenten



Am 4. und 5. April 2014 beging der „Naumburger Briefmarkensammler-Verein 1904 e. V.“ sein 110. Gründungsjubiläum (4. April 1904). Eine gutbesuchte Festveranstaltung, eine nichtalltägliche Werbeschau und ein Sonderpostamt waren der Beginn einer zweitägigen Feier, an der zahlreiche Gäste aus Nah und Fern teilnahmen.
Besondere Anziehung ging von einem Symposium am 5. April aus, das mit großen Erwartungen verbunden war. Entgegen allen Vorstellungen von dem was ein personell kleiner Verein anzubieten hätte, war diese ganztägige Veranstaltung eine gelungene Begegnung philateliegeschichtlich interessierter Teilnehmer. Namhafte Referenten hatten ihre Bereitschaft erklärt sich zu Themen zu äußern, die einen Bogen von der Geschichte der Philatelie zu aktuellen Aspekten der Vereinstätigkeit spannten.
Der national und international bekannte Autor philateliehistorischer Arbeiten, Wolfgang Maassen, Chefredakteur der „philatelie“, stellte mit seinem Beitrag neueste Forschungsergebnisse aus den Anfängen der internationalen und deutschen Geschichte der Philatelie vor. Mit teilweise bisher unbekanntem Dokumentenmaterial unterlegt, folgte er in fesselnder Form den Spuren der ersten, der allerersten Sammler und Händler aus der Zeit von Zschiesche & Co. Auf die Situation Anfang der 1860er-Jahre in Deutschland eingehend, stellte er die Ergebnisse seiner Auswertung der frühen Ausgaben der ersten deutsch-sprachigen philatelistischen Fachzeitschrift, dem „Magazin für Briefmarken-Sammler“ (1.5.1863 – 1.4.1867), vor und benannte Sammler, Händler und Philatelisten, die später für lange Zeit bekannt werden sollten. Stellvertretend seien hier nur Jean-Baptiste Moens (Brüssel), Oskar Berger-Levrault (Straßburg), Zschiesche & Köder, Richard Claudius, Gustav Wuttig, Gustav Bauschke (Schaubek) oder Alfred Moschkau (alle Leipzig) genannt. Es war ein Vortrag, der bei allen Teilnehmern noch lange nachwirkte.
Peter Fischer, Berliner Journalist, hat es auf beeindruckende Weise verstanden, 25 Jahre Entwicklung Philateliegeschichte im Osten Deutschlands spannend und bildlich gut dokumentiert darzustellen. Sehr differenziert belegte er beispielhaft die örtlich unterschiedlichen Anfänge der organisierten Philatelie nach 1945 in der SBZ. Diesem Zeitabschnitt folgte die Erläuterung der oft widersprüchlichen Prozess der Eingliederung bestehender Vereine in den Kulturbund bis 1949. Nicht weniger interessant, weil ebenfalls nicht konfliktlos, war der Weg der DDR-Philatelie bis zur Gründung des Philatelisten-verbandes in diesem Teil Deutschlands im Jahr 1969. Nicht nur die am Symposium teilnehmenden Naumburger Philatelisten, sondern die Mehrheit der Anwesenden, fühlten sich in jene Jahre des Neubeginns und der Profilierung der organisierten Philatelie in ihren Orten und ihrer Regionen zurückversetzt.

Dietrich Ecklebe, Vorsitzender des Landesverbandes der Philatelisten Sachsen-Anhalt, vermittelte wertvolle und aktuelle Erfahrungen und Hinweise zur Öffentlichkeitsarbeit in den Vereinen. Wie führt der Verein eine Ausstellung durch, was ist bei ihrer Vorbereitung und letztendlichen Realisierung zu beachten? Wie sollten die Macher mit den Medien zusammenarbeiten? Was sollten die Aussteller bei der inhaltlichen Gestaltung ihrer Objekte beachten, um besucherwirksam zu sein? Nicht zuletzt verwies er auf das notwendige Beleg- und Rahmenprogramm einer Ausstellung. Ein besonderes Anliegen seiner Ausführungen galt dem Nachwuchs der Vereine, d.h. die Gewinnung von Kindern und Jugendlichen für die Beschäftigung mit der Philatelie. Seinen Vortrag fasste er mit dem Gedanken zusammen: Die Philatelie hat nur eine Zukunft, wenn wir immer wieder Menschen finden, die wir mit unserem Hobby begeistern können, sodass sie auch vom bazillus philatelicus befallen werden.
Krönender Abschluss des über vierstündigen Symposiums war der mit zahlreichen Bilddoku-menten unterlegte Vortrag von Lars Böttger. Der Leiter der Bundesstelle für Fälschungs-bekämpfung des BDPh (inzwischen musste er diese Aufgabe aus beruflichen Gründen aufgeben) sprach zum Thema „Von Spiros Bilderbögen zu den modernen Fälschungen“. Unter Einbeziehung der Teilnehmer vermittelte er sowohl philateliegeschichtliches Wissen am Beispiel des Meisterfälschers Spiro, als auch Fälschungen und Fälscher der Gegenwart.
Die anfangs vorhandenen Gedanken, ob dieses Symposium mit diesem Referententeam für unseren Verein nicht doch eine Nummer zu groß sein würde, haben sich schnell verflüchtigt. Dies haben wir in erster Linie der sofort erklärten Bereitschaft der vier Referenten zu verdanken. Dieses Symposium wird unseren Vereinsmitgliedern und allen Teilnehmern – es hätten gern noch mehr sein können – noch lange in Erinnerung bleiben und eingetragen sein in unsere fortzuschreibende Vereinsgeschichte.

Hans-Peter Garcarek

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