Landesverband der Philatelisten in Sachsen-Anhalt e.V. im BDPh. e.V.

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Kreisstegstempel mit Gitterbögen, hier Steilschrift – Stempel



Von Klaus Hirschfeld, Haldensleben

Gegenüber den vorher verwendeten Poststempeln (Datum musste gesteckt werden) war diese Stempelart mit Typenräder ausgestattet. Diese Stempelform wurde um 1870 in der Schweiz entwickelt. In dem Land war die feinmechanische Fertigung am weitesten fortgeschritten.
Die beiden Schweizer Stempelpioniere Johann Jakob Güller und Frederic de Coppet hatten die Idee zur Herstellung des Datums gravierte Rädchen zu benutzen.

Diese „Güller – Stempel rund mit Datumsbrücke und vertikalen Schraffen im oberen und unteren Segment wurden in Europa als „Schweizer – Stempel“ bekannt und in vielen Ländern, auch in Übersee kopiert und genutzt.

Kreisstegstempel mit Gitterbögen, hier Steilschrif
Abb. 1: Postkarte von Suderode vom 12.7.1895 nach Interlaken (Schweiz) Eingangsstempel 13. VII. 95, die Auslandkarte wurde in der Schweiz mit Lagergebühr und mit 2 Portomarken belastet.

In der Schweizer Poststempeln waren die Monate in römischen Ziffern angegeben.

Über die Einführung der Gitterstempel bei der Deutschen Reichspost liegen keine amtliche Verfügungen vor. Der Berliner „Versuchsstempel“ ist jedoch seit Dezember 1887 bis Sommer 1888 philatelistisch lückenlos belegt.
Da er sich im täglichen Gebrauch bewährte, wurde er im größeren Rahmen im gesamten Deutschen Reich zwischen August 1888 und 25.6.1890 in zwei Größen benutzt. Als Größe hatte sich das normale (bisherige ) Format von 25,0 mm und das größere Format ( 26,5 –30,0 mm) durchgesetzt.
Die Größe wurde durch die Anzahl der Buchstaben der Aufgabeorte bestimmt.
Als sogenannter Normstempel wurden die Typenräderstempel durch die Generalverfügung vom 10. Juli 1890 eingeführt.

Dieser Brückengitter – Stempel lässt sich aber vielfach unterscheiden.

Kommen wir nun zu den Steilschrift – Stempeln im Deutschen Reich

Nach der Arge Krone & Adler e. V. wird der „Steilschrift – Stempel“ nochmals unterschieden. Die Arge hat bisher (2008) 160 Steilschriftstempel aus 127 Orten registriert.

Steilschriftstempel mit Kleinsegmentenmit
Höhe des oberen Segments max. 2,2 mm
Buchstabenhöhe mindestens 4 mm
höchstens 6 Gitterstriche
25 mm Durchmesser

Im Großformat
Höhe des oberen Segments bis 2,8 mm
Steilschriftstempel
Buchstabenhöhe mindestens 4,4 mm
26,5 mm Durchmesser

Steilschriftstempel mit größeren Segmenten
Höhe des oberen Segments 2,3 mm –3 mm
Buchstabenhöhe 4 mm – 4,6 mm
6 –8 Gitterstriche im oberen Segment
24,5 mm – 26,0 mm Durchmesser

Verwandte Formen der Steilschriftstempel
Höhe des oberen Segment max. 3,0 mm
Buchstabenhöhe mindestens 3,5 mm
bis zu 8 Gitterstrichen
Durchmesser 24,5 mm – 26,0 mm

Kreisstegstempel mit Gitterbögen, hier Steilschrif
Abb. 2: In Preußen wurde die Jahrespauschale der „Avers“ Post im Jahr 1903 gezählt. Entwertet wurde die Marke mit einem Steilschrift – Stempel am 6.5.03
4-5 N beim Postamt MAGDEBURG 1 e. Zusätzlich wurde der Rahmenstempel (Frei lt. Avers. Nr.21. Kgl. Pr. Stempel- und Erbschaftssteueramt) angebracht.

Kreisstegstempel mit Gitterbögen, hier SteilschrifAbb.3: Der Stempel ist vergrößert, Magdeburg 1 e.

Datum und die Uhrzeit sind in einer Zeile verstellbar angeordnet. Hinter der Tages-,
Monats- und Jahreszahl des Datums stehen Punkte. Bei einstelliger Tageszahl wurde ein Strich vorgesetzt.
Die Uhrzeit wurde in 12-Stunden-Zeit mit V.(=Vormittag oder N.(= Nachmittag angegeben, dahinter auch Punkte.

Die Einsatztypenstempel wurden um 1890 nur noch für Postagenturen hergestellt und wurden auch bei den kleinen Agenturen durch neue Typenräderstempel ersetzt.

Einen Mangel hatten aber die Typenräderstempel im Bereich der Gitterstriche war das Material extrem dünn, so das innerhalb kurzer Zeit Beschädigungen auftraten. Innerhalb der kurzen Zeit 1900 bis 1903 sind schon die Ausbrüche beim Magdeburger Stempel feststellbar.

Kreisstegstempel mit Gitterbögen, hier Steilschrif
Abb. 4: Die Ausbrüche beim Hallenser Stempel sind noch extremer, innerhalb 2 Jahre sind die Stege verschwunden.

Aus der Literatur konnte ich folgende Steilschrift unseres Verbandsgebiet notieren.
Magdeburg 1e 1900, 1903
Magdeburg 3e 1897, 1899
Bernburg 1b 1899
Halle (Saale) 1n, 1897, 1899, Halle (Saale) 2f 1907
Dessau **f 13.3.00- 10-11 V

Weitere Meldungen werden dankbar entgegen genommen.

Der Kreisstegstempel mit Gitterbögen oben und unten wurde bis in die 1960- Jahre weiterverwendet, teilweise wurde die Uhrzeit von 12h- auf 24h- Zählung umgearbeitet, aber das ist wieder ein andere Geschichte. Genauso, wie um 1938, die Sternchen entfernt wurden ?



Verweise:
  • M. Rutherfoord., Zürich: Güller und de Coppet: zwei Schweizer Stempelpioniere „ Die Suche nach weniger ermüdenden Stempeln mit rundem Hand – Datumstempel In Festschrift & Katalog GABRA IV Burgdorf CH
  • Dr. Karl Salm Michel Stempel Handbuch 1.Teil 1981 und besonders Michel Stempel Handbuch 2. Teil Nachklassische Stempel der Deutschen Reichspost 1875 – 1900 S. 17- 219
    diese beiden Bücher sollten in keiner gut sortierten Vereinsbibliothek fehlen

  • Rundbrief Heft 42 Septenber 2008 Arge Krone &Adler
    Kurt Bergner Die Steilschrift – Stempel de Deutschen Reiches

  • Die Abbildung wurde entnommen H. Kolpe „Die amtlichen Stempel der halleschen Postanstalten von 1807 bis zum Ende der Deutschen Post“ 2002

  • Schönherr/Gerhardt Zweiter deutscher Normstempel – Wieder- und Weiterverwendung in der SBZ/DDR 1992

  • empfehlenswert Neue Schriftreihe der Poststempelgilde H.J.Anderson „Zur Geschichte der Tagesstempel der Deutschen Reichspost“ 1999


  • (Ergänzung vom 23.01.2014)

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