Landesverband der Philatelisten in Sachsen-Anhalt e.V. im BDPh. e.V.

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Wittenberger war Begründer der Deutschen Philatelistentage

Der Wittenberger Philatelist Hans Wagner - Begründer der Deutschen Philatelistentage

Mit der Herausgabe der ersten deutschen Postwertzeichen in Papierform ab 1850 , gemein-hin „Briefmarken“ genannt, wurde in erster Linie dem steigenden Postaufkommen Rechnung getragen. Zugleich entwickelte sich ein neues Sammelgebiet, denn die Briefe bzw. Brief-marken waren zu schade zum wegwerfen. Durch verschiedene Farben und Portostufen wie wechselnde Motive und interessante Stempelformen fanden sich immer mehr Sammler, die ab Mitte des 19. Jahrhunderts begannen, eigene Briefmarkenvereine zu gründen.
Einer dieser Sammler war in Wittenberg der 11jährige Knabe Hans Wagner, der als Gymna-siast begann, Briefmarken zu sammeln. Aus der Korrespondenz seines Vaters bekam er zahlreiche Briefe und schon nach kurzer Zeit erreichte seine Sammlung einen beachtlichen Umfang mit allen altdeutschen Staaten. Briefmarkenalben mussten noch selbst angefertigt
und zusammengeklebt werden.
Wer war dieser Hans Wagner ? Er wurde am 18. September 1852 in Wittenberg als Sohn des Kreisgerichtsrates Johannes Wagner geboren. In Wittenberg besuchte er von 1864 bis 1872 das humanistische Gymnasium am Kirchplatz und war bereits in dieser Zeit Philatelist. Von Freunden und Nachbarn bekam er Briefmarken geschenkt und hatte bald Altdeutsch-land komplett beisammen. Das „Basler Täubchen“, die bekannteste Schweizer Marke, kaufte er für 5 gute Groschen (heutiger Katalogwert ca. 18 000 CHF).
Schon als junger Sammler las er im Abo regelmäßig das in Leipzig erscheinende „Magazin für Briefmarkensammler“.
Nach dem Abitur trat er in den königlich preussischen Militärdienst ein und wurde1873 Leutnant in einem Regiment in Mainz. Als Offizier kam er nach Skandinavien, die Schweiz, Frankreich und Italien und brachte von dort fehlende Markenausgaben für seine Sammlung mit. Ab 1887 veröffentlichte er regelmäßig Aufsätze im „Illustrierten Briefmarken - Journal“ der Gebrüder Senf in Leipzig über Luxemburg - Marken, bulgarische Feldpostkarten oder frühe Privatpost.
Eine dienstliche Reise nach China nutzte er zu einer späteren philatelistischen Veröffent-lichung über die „Postverhältnisse in China“. Wagner verstand es, seine berufliche Pflicht mit dem Nutzen seines Hobbys zu vereinen. So schön kann Militär außerhalb von Kriegen sein !

Nach 20 Jahren Militärdienst und gesundheitlichen Problemen schied er 1893 als preussi-scher Hauptmann in Ehren aus dem Militärdienst aus und erhielt den Roten Adler Orden IV. Klasse verliehen.

Mit einer guten Pension versorgt, konnte sich Wagner nun intensiv seinem Hobby widmen. Er wurde bekannt durch Aufsätze in Briefmarkenzeitungen und hielt Vorträge bei den umliegenden Vereinen. Er hatte ein großes Fachwissen und war in Philatelistenkreisen sehr bekannt. Bereits 1888 hatte er den „Sammlerverein für Mainzer Privatpostwertzeichen“ gegründet und wurde deren 1. Vorsitzender. Am 8. Januar 1889 wurde er als 1. Schriftführer in den Vorstand des „Vereins für Briefmarkenfreunde Mainz“ gewählt. Während dieser Zeit als Schriftführer stand die 100. Vorstandssitzung des Mainzer Vereins an und Wagner schlug vor, diesen Tag feierlich zu begehen und benachbarte Vereine und Sammler für den 18. August 1889 zu einem „Rheinischen Philatelistentag“ einzuladen. Infolge der großen Reso-nanz und der Beteiligung zahlreicher Vereine weit über das Rheinland hinaus, wurde dieser Tag spontan zum „Ersten Deutschen Philatelistentag“ erklärt und Hans Wagner schlug vor, alljährlich einen „Allgemeinen Deutschen Philatelistentag“ abzuhalten.
Hans Wagner hatte die Wurzeln gelegt zu einer großen Familie aller deutschen Briefmarken-sammler und deren Vereinen. Zum 8. Deutschen Philatelistentag in Köln 1896 fand sein Vorschlag, auch die österreichischen Briefmarkenvereine mit einzubeziehen, eine große Mehrheit und zur Gründung des „Bundes deutscher und österreichischer Philatelisten -Ver-eine“. Mit dieser Gründung hatte er zahlreiche deutschsprachige Vereine unter einem Dach vereint und es brachte ihm fortan den Ehrentitel „Vater der Philatelistentage“ ein.
Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass bereits der sächsische Philatelist Dr. Alfred Moschkau aus Oybin 25 Jahre zuvor einen ähnlichen Vorschlag unterbreitet hatte. Seiner Einladung zu einem „Philatelistentag“ am 14. Juli 1872 nach Dresden folgte allerdings außer ihm nur ein zweiter Sammler... Offizieller Begründer der Philatelistentage bleibt daher bis heute der Wittenberger Hans Wagner.
Ihm zu Ehren editierte 1909 sein Mainzer Verein für Briefmarkenfreunde von 1885 e.V. eine „Hans-Wagner-Medaille“, die seit 1910 bis heute aller drei Jahre auf Philatelistentagen an verdienstvolle Persönlichkeiten für ihre hervorragende philatelistische Betätigung und Forschung verliehen wird.

Ein Augenleiden schränkte nach 50jährigem aktiven Sammeln den praktischen Teil seines Hobbys ein, seine Stimme und sein philatelistisches Fachwissen waren aber weiter gefragt und Wagner blieb bis an sein Lebensende Philatelist. Hans Wagner starb am 21. Juli 1940 mit 88 Jahren in Frankfurt am Main. Er war inzwischen Ehrenmitglied zahlreicher deutscher und österreichischer Sammlervereine.

In Wittenberg ist er eher vergessen und hat bis heute keine öffentliche Würdigung erfahren.
Eine Vision des Autors war 2010 die Abhaltung des 118. Deutschen Philatelistentages im Jahr 2017 in Wittenberg, dem Geburtsort des „Vaters der Deutschen Philatelistentage“.
Denkbar wäre eine Emailletafel des ROTARY – Clubs im Rahmen der Ehrung berühmter Wittenberger Persönlichkeiten. Die Enthüllung sollte Ende August / Anfang September durch den Präsidenten des Bundes deutscher Philatelisten stattfinden, denn inzwischen wird die Vision vom Philatelistentag 2017 Realität !

Literatur:
1.Kühne, Heinrich u. Heinz Motel: Berühmte Persönlichkeiten und ihre Verbindung zu
Wittenberg, Druckhaus Göttinger Tageblatt GmbH
2. Kühne, Heinrich:: Hans Wagner und die Hans – Wagner – Medaille
Veröff. Melanchthonhaus Wittenberg, 1979
3. Fasse, Fritz:Die Hans - Wagner – Medaille, Festschrift 1960, „75 Jahre Verein für Briefmarkenkunde Mainz“





Weitere Informationen zum Philatelistentag 2017 in Wittenberg unter:

Spektakel für Briefmarkensammler Deutscher Philatelistentag in Wittenberg

Post geht von Wittenberg nach Mellrichstadt. 60 Exemplare gehen dann an das Martin-Pollich-Gymnasium. Überlegungen laufen, den 117. Deutschen Philatelistentag in Wittenberg stattfinden zu lassen.

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