Landesverband der Philatelisten in Sachsen-Anhalt e.V. im BDPh. e.V.

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60 Jahre Währungsreform

Die Störmer – Zehnfachfrankaturen des Ersttages von Helge Schinkel, Stendal

Geld war in der Zeit der Währungsreform zweitrangig. Tauschgeschäfte hatten in der Zeit der Warenknappheit Vorrang. Deshalb verfügten durchaus viele Firmen und Privatpersonen über teilweise umfangreiche Bevorratungen mit frankaturgültigen Briefmarken, denn diese gab es fast immer zu kaufen. Die Möglichkeit der Zehnfachfrankatur trug dieser Tatsache Rechnung , zumal in der SBZ diese Portoform noch bis 31.07.48 möglich war. Firmen und Privatpersonen machten eifrig Gebrauch davon und bauten so Bogenbestände ab.
Dabei gab es in fast jeder Region sogenannte „Schnellschalter“, die die Einmaligkeit der Situation erfasst hatten und durch einfallsreiche Frankaturen, besonders am Ersttag, auffielen. In Stendal gehörten der Briefmarkenhändler Walter Störmer und sein Angestellter Kurt Oehlmann zu denen, die am Ersttag bedeutungsvolle Spuren hinterlassen hatten. Störmer reagierte blitzschnell und gab die ersten Zehnfachen schon um 9 Uhr auf dem Hauptpostamt auf.
Helge Schinkel
„Sörmerbrief“ vom 24.06.1948, STENDAL 1, 18.00 Uhr, mit sehr schön gesetzter Zehnfachfrankatur u.a. mit 2 Vierergruppen Hannovermesse, insgesamt 760 Pfennig, also Ortseinschreiben

An den vorhandenen Stempelabschlägen ist erkennbar, dass Störmer die Beamten auf dem Stendaler Hauptpostamt mindestens dreimal ( 9 Uhr, 14 Uhr, 18 Uhr ) „belästigte“. Die meisten Briefe gab er um 18 Uhr auf.
Seine Arbeitstechnik war so, er entwarf die Frankaturen und ging zur Post, sein Angestellter Kurt Oehlmann riss die Marken aus den Bögen und klebte den ganzen Tag im Ladengeschäft wunderschöne Frankaturen. Nur durch diese Briefe tauchen auf Stendaler „Zehnfachen“ nicht in die Überdruckaktion auf Stendaler Postämtern einbezogene Werte wie „Stephan“ oder „Messe“ auf, bzw. mehrfach auch die 5 Mark- Taube, welche in Stendal ausverkauft war.
Helge Schinkel
„Störmerbrief“ vom 24.06.1948, STENDAL 1, 14.00 Uhr, u.a. mit 1 RM Ziffer und waagerechtem Paar 24 Pf. Stephan, insgesamt 160 Pf. als Ortsbrief.
Helge Schinkel
„Störmerbrief“ vom 24.06.1948, STENDAL 1, 18.00 Uhr, u.a. mit 24 und 75 Pf. Stephan, insgesamt 160 Pf. als Ortsbrief

Dabei war der Angestellte Oehlmann besonders diensteifrig, denn durch die NS-Zeit politisch belastet, war er froh, im Ladengeschäft Störmers eine Anstellung gefunden zu haben. Dennoch führten die durch die Währungsreform veränderten wirtschaftlichen Bedingungen dazu, dass Störmer Oehlmann noch Ende 1948 wieder entlassen musste. Die Störmer–Briefe galten als verschollen, in Stendal wusste niemand mehr etwas davon. Störmer galt als Eigenbrödler, der die Briefe nicht aus kommerziellen Gründen fertigte, sondern sich diese einfach nur weglegte. Durch einen glücklichen Umstand ist ein Teil seines Nachlasses 2004 in Berlin wieder aufgetaucht. Kein geringerer als der aus Stendal stammende ehemalige Briefmarkenprüfer Hans–Georg Schlegel hatte nach dem Tode Störmers in Stendal große Teile seines Nachlasses einschließlich dieser Briefe erworben, die dann unberührt über 40 Jahre in Berlin lagerten.
Ab und zu sind auch schon einmal einige Störmer–Briefe bei Internet–Auktionen aufgetaucht, die beweisen, dass es von fast allen Frankaturen mehrere gibt.
Störmer und Oelmann fielen auch durch für Stendal bedeutsame Handstempel-frankaturen auf, darüber könnte in einem späteren Artikel berichtet werden.

Alle abgebildeten Briefe aus der Sammlung des Verfassers.
Helge Schinkel
Sehr früher „Störmerbrief“ vom 24.06.1948, STENDAL 1, 09.00 Uhr !, als Ferneinschreiben, 840 Pf. mit verklebter 3 und 5 Mark Taube.

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