Landesverband der Philatelisten in Sachsen-Anhalt e.V. im BDPh. e.V.

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August Hermann Francke und die Franckeschen Stiftungen, sein Lebenswerk

(zum 350. Geburtstag Franckes) von Jürgen Förster, Halle (Saale)

Inhalt:
- August Hermann Francke
- Das Lebenswerk Franckes, die Franckeschen Stiftungen
- Die Franckeschen Stiftungen im 19. Jahrhundert
- Die Franckeschen Stiftungen als „Pädagogisches Institut der Martin Luther Universität“
- Post an Frankeschule und Pädagogisches Institut
- Neues Leben in alten Mauern

350. Geburtstag August Hermann Francke - Belege3




August Hermann Francke
FRANCKE, August Hermann, Hauptvertreter des Hallischen Pietismus, * 22.3.1663 in Lübeck als Sohn eines Rechtsanwalts und Syndikus, † 8.6.1727 in Halle (Saale).

August Hermann Francke und die Franckeschen Stiftu

Francke erhielt seine Schulbildung durch Privatlehrer. Nur ein Jahr besuchte er das Gymnasium in Gotha. 1679 immatrikulierte er sich an die Universität Erfurt. Vom Herbst 1679 bis Frühjahr 1682 setzte er sein Studium in Kiel fort. Bis 1684 widmete er sich dem Erlernen des Hebräischen, der englischen wie der französischen Sprache. Im Frühjahr 1684 zog er als Informator eines wohlhabenden Theologiestudierenden nach Leipzig und erwarb 1685 die Magisterwürde.
Gemeinsam mit dem Theologen Paul Anton gründete er im Juli 1686 das "collegium philobiblicum". 1687, während eines Aufenthaltes in Lüneburg, erfuhr er, von Glaubenszweifeln erfasst, ein Bekehrungserlebnis, das ihn zum Pietismus führte. In Folge hielt er sich im Hause Philipp Jakob Speners in Dresden auf. Erst im Frühjahr 1689 nahm Francke seine Leipziger Lehrtätigkeit wieder auf. Bereits im August untersagte ihm die Fakultät jedoch das Halten seiner Vorlesungen, aus denen eine pietistische Bewegung erwachsen war. Er ging nach Erfurt. Auch hier lehrte und predigte er im Geist Speners und wurde 1691 ausgewiesen, "da man dort nicht den Urheber einer neuen Sekte dulden könne". Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg berief ihn 1691 als Professor der griechischen und hebräischen Sprache an die neue Universität Halle. Erst 1698 trat er das Amt an. Bereits 1694 hatte er die Pfarrstelle an der Georgenkirche in Glaucha übernommen, einem von sozialer Verwahrlosung gezeichneten Ort vor den Toren Halles. Mit geringen Mitteln begann er eine Armenschule. Den Waisenkindern der Gegend baute er ein Waisenhaus.

August Hermann Francke und die Franckeschen Stiftu

Im Sommer 1696 öffnete das Pädagogium, eine Art Ritterakademie für Söhne vornehmer Familien, die für das Universitätsstudium vorbereitet werden sollten. Die "Glauchaschen Anstalten", wie die Franckeschen Stiftungen damals hießen, wuchsen. In Franckes Todesjahr 1727 wurden in seinen Anstalten mehr als 2200 Kinder von 167 Lehrern, 8 Lehrerinnen und 8 Inspektoren unterrichtet, und 250 Studenten hatten dort ihren Freitisch mit der Gelegenheit und Verpflichtung zur Mitarbeit.

August Hermann Francke und die Franckeschen Stiftu
Aus der Ausgabe Bundesrepublik 1953 „Helfer der Menschheit“




Das Lebenswerk Franckes, die Franckeschen Stiftungen

August Hermann Francke und die Franckeschen Stiftu
Sonderausgabe zum Jubiläum 300 Jahre Franckesche Stiftungen(1998)

Der Aufbau der "Glauchaschen Anstalten"
Als der pietistische Theologe und spätere Pädagoge und "Unternehmer" August Hermann Francke (1663-1727) 1692 in Glaucha eine Pfarrstelle übernahm, war die Kleinstadt vor den Toren Halles von Krankheiten, Kriegsfolgen und sozialer Verwahrlosung gezeichnet. Dem begegnete Francke zunächst mit der Durchsetzung strenger Gemeinderegeln und der Gründung einer Waisenschule. Motiviert durch eine großzügige Spende, unterstützt von der preußischen Regierung und kritisch beäugt von Teilen der halleschen Stadtbevölkerung, erreichte er 1698 den Bau des großen Waisenhauses, der 1700 fertig gestellt werden konnte.

August Hermann Francke und die Franckeschen Stiftu

Genial nutzte er das Lehrpotential der Studenten im Tausch gegen Kost für seine Schule. Deren Qualität überzeugte Bürgertum und Adel, die um eigene Schulen für ihre Stände baten. Das resultierende Schulgeld war eine der Einnahmen, die den Stiftungen zu Gute kamen. Im hohen Maße profitierten die Anstalten aber auch von der Gunst der Hohenzollern, die staatliche Vergünstigungen und Privilegien vergaben. Daneben spielten Zustiftungen und Spenden eine Rolle. Vor allem waren es aber eigene Unternehmen und Betriebe, die gewinnbringend arbeiteten und dem Sozial- und Bildungswerk ein so rasantes Wachstum ermöglichten. Bereits Mitte des 18. Jahrhunderts war der Lindenhof, fast so wie wir ihn heute kennen, fertig gestellt. Zu den von Francke gegründeten Erwerbsbetrieben gehörten die Druckerei, die Buchhandlung und die Apotheke. Ab 1710 wurde auf Initiative des Berliner Freiherrn Carl Hildebrand von Canstein (1667-1719) die Cansteinsche Bibelanstalt gegründet, die sich für die Verbreitung der Bibel mittels preiswerter Druckausgaben einsetzte. Daneben wurde seit 1708 dreimal wöchentlich die „Hallesche Zeitung“ publiziert, die in abgewandelter Form als Tageszeitung bis 1995 Bestand hatte.

August Hermann Francke und die Franckeschen Stiftu
Numisblatt zum 300. Jubiläum der Franckeschen Stiftungen (Vorder- und Rückseite)




Die Franckeschen Stiftungen im 19. Jahrhundert

Erst mit August Hermann Niemeyer (1754-1828), der 1799 Direktor der Stiftungen wurde, gelang eine behutsame Modernisierung. Geschickt setzte er aufklärerische Impulse und verhalf dem von Francke gegründeten Königlichen Pädagogium wieder zu neuem Ansehen. Dank seiner persönlichen Beziehungen zum preußischen König Friedrich Wilhelm III. gelang ihm die finanzielle Konsolidierung der Stiftungen, die aber durch die napoleonische Eroberung Halles 1806 erneut gefährdet waren. Das diplomatische Geschick Niemeyers erhielt die Stiftungen während der französischen Besatzung und nach der Rückeroberung durch Preußen 1813.

August Hermann Francke und die Franckeschen Stiftu
Brief der „General-Direction des öffentlichen Unterrichts“ des Königreichs Westphalen, Cassel, März 1812 an die „Direktoren der Franckschen Anstalten“ bzw. „Direktoren der Franckeschen Stiftungen“.

Mit Westphälischem Poststempel „HALLE“ und Datum „12 Mart. 1812“. Halle gehörte während der Napolionischen Zeit zum Königreich Westphalen, aus dieser Zeit stammen die ersten Poststempel Halles. Dieser ist als Grenzstempel verwendet worden, da der Brief von Cassel nach Halle über sächsisches Territorium befördert wurde.

August Hermann Francke und die Franckeschen Stiftu
Brief um 1850 an den Direktor der Franckeschen Stiftungen aus Kiel. Ein Teil des Portos wurde bei der Aufgabe in Kiel bezahlt (rot) der Rest vom Empfänger (blau).

Auch nach dem Direktorat Niemeyers, das 1828 endete, wurden die Stiftungen weiter modernisiert. Die Schulen wurden zunehmend Teil des preußischen Schulsystems und verloren einen Teil ihrer Autonomie. Ihre Organisation und die Versorgung der Waisenkinder rückten ins Zentrum der „Schulstadt“. Durch weitere Schulbauten wurde das Areal stark verändert, der landwirtschaftliche Charakter ging verloren. Der wachsenden Bedeutung des Sports wurde durch den Bau von Turnhallen Rechnung getragen.

August Hermann Francke und die Franckeschen Stiftu
Zeitungsbanderole an das Pädagogium der Franckeschen Stiftungen aus Berlin 1886




Die Franckeschen Stiftungen als „Pädagogisches Institut der Martin Luther Universität“

August Hermann Francke und die Franckeschen Stiftu
Sonderstempel zum Jubiläm 1948

August Hermann Francke und die Franckeschen Stiftu
Brief durch Zentralen Kurierdienstes in der DDR befördert

Nach dem Krieg hob 1946 ein Erlass des Präsidiums der Provinz Sachsen die Rechtspersönlichkeit der Stiftungen auf. Die Schulgebäude, die Internate, die erwerbenden Betriebe sowie das gesamte Stiftungsvermögen wurden als "Franckesche Stiftungen, Pädagogisches Institut" in die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg eingegliedert. Dieser Verwaltungsakt beendete vorläufig die 250 Jahre währende Geschichte der Franckeschen Stiftungen als eigenständige Einrichtung. Aus den vormals christlich geprägten Stiftungsschulen wurde die sozialistische Einheitsschule. In den Stiftungen wurde die Arbeiter- und Bauernfakultät "Walter Ulbricht" errichtet, in der Arbeiter- und Bauernkinder auf das Abitur und ein Studium vorbereitet wurden.

August Hermann Francke und die Franckeschen Stiftu
Ortsbrief, 16 Pfennig, mit Zehnfachfrankatur 160 Pfennig, Währungsreform 1948




Post von der Frankeschule und an das Pädagogisches Institut (DDR 1950-er Jahre)

August Hermann Francke und die Franckeschen Stiftu
Ortseinschreiben (16 Pfg + 60 Pfg Einschreibgebühr)

August Hermann Francke und die Franckeschen Stiftu
Ortsbrief (16 Pfg)




Neues Leben in alten Mauern

August Hermann Francke und die Franckeschen Stiftu

Im Herbst 1989 begann mit der friedlichen Revolution in der DDR auch die "Wende" für die Franckeschen Stiftungen. Zusammen mit der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg setzten sich die Volkswagen-Stiftung und die Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel für dringend notwendige Erhaltungsmaßnahmen ein. Durch neue Dächer konnte bereits 1989 der Verfall gestoppt werden. Mit der Gründung eines Freundeskreises startete 1990 auch die Appellaktion "Rettet die Franckeschen Stiftungen!" Heute zählt der Freundeskreis über 1200 Mitglieder und hat maßgeblichen Anteil daran, dass die Stiftungen 1991 als öffentlich-rechtliche Stiftung wiederhergestellt werden konnten. Mit der Verabschiedung einer neuen Satzung und der Einberufung des Kuratoriums unter dem Vorsitz von Hans-Dietrich Genscher nahmen die Stiftungen 1992 ihre Arbeit wieder auf.

August Hermann Francke und die Franckeschen Stiftu
Maximumkarte mit Ersttagstempel Halle zum 300.Jubiläum der Franckeschen Stiftungen

Quellen der Texte: Offizielle Internetseiten der Franckeschen Stiftungen

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