Landesverband der Philatelisten in Sachsen-Anhalt e.V. im BDPh. e.V.

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Die Himmelsscheibe von Nebra und das Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle

von Dietrich Ecklebe (AIJP)

Am 09. Oktober 2008 wird in der Serie "Archäologie" eine Briefmarke mit der
Abbildung der Himmelsscheibe von Nebra erscheinen. Seit dem 23. Mai 2008 ist die
berühmte Himmelsscheibe im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle zu sehen.
Davor wurde sie nur im Rahmen der Sonderausstellung "Der geschmiedete Himmel"
in Halle und einigen wenigen anderen deutschen und europäischen Städten gezeigt.

Himmelsscheibe von Nebra-I-1
Aufkleber des Museums in Halle, der auf die Ausstellung hinweist.
Reiterstein von Hornhausen im Absenderfreistempel

Allein 280 000 Besucher sahen diese erste Ausstellung der Himmelsscheibe in Halle.
Dies beweist, wie groß das Interesse der Bevölkerung daran ist. Die
Entdeckungsgeschichte der Himmelsscheibe von Nebra gleicht aber auch einem
archäologischem Krimi.
Im Sommer 1999 begaben sich zwei Mann mit einem Metalldetektor auf den
Mittelberg bei Nebra im Süden Sachsen-Anhalts. Der Berg über der Unstrut war
schon seit einiger Zeit als Bodendenkmal bekannt. Die Schatzsucher wollten alte
Waffen finden. Als der Detektor anschlug kam eine flach unter der Waldoberfläche
liegende Scheibe zum Vorschein, die sie völlig unsachgemäß mit einem Hammer aus
dem Boden rissen. Dabei erlitt die Scheibe erhebliche Beschädigungen. Sie hielten die
Scheibe für einen Eimerdeckel. Erst als beim Weitergraben auch noch Schwerter an
das Tageslicht kamen, wurden sie aufmerksamer. Sie schütteten die Grube wieder zu
und verkauften alles an einen Zwischenhändler aus dem Rheinland für die Summe
von 31 000 DM. Der Zwischenhändler reinigte die Scheibe mit Stahlwolle, was zu
weiteren Beschädigungen führte, aber auch gleichzeitig die Goldauflage zum
Vorschein brachte. Ein Verkauf an Museen gelang nicht, denn in Sachsen-Anhalt gilt
ein Schatzregal, d.h. dass nur das Land ein Eigentumsanspruch an wertvollen
archäologischen Funden hat. Der Weiterverkauf brachte dem Zwischenhändler
200000 DM ein.
Im Mai 2001 teilte der Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte in Berlin
seinem Kollegen in Halle, Dr. Meller, mit, dass ihm der Fund für 1 Million DM
angeboten worden sei. Einige Fotos konnte er auch zeigen. Da als Fundort Sachsen-
Anhalt genannt wurde, beschlossen die zuständigen Landesbehörden, den Fund in
sein Herkunftsland zu holen. Durch polizeiliche Ermittlungen konnten bis zum
Februar 2002 die derzeitigen Besitzer ausfindig gemacht werden. Als Dr. Meller dann
in Basel die Echtheit des Fundes prüfen wollte, schlug die Falle zu und der Hehler
wurde von der schweizer Polizei verhaftet. Durch die Aussagen der Täter und
archäologischen Untersuchungen am Fundort ließ sich die Echtheit nachweisen. So
konnte man noch alle Fundumstände klären, die bei Raubgrabungen meist verloren
gehen.
Die Niederlegung der Himmelsscheibe konnte um 1600 v. Chr. bestimmt werden.
Damit gehört die Himmelsscheibe in die Frühbronzezeit. Die Bedeutung der Scheibe
stelle aber ein Problem dar, denn weltweit gab es kein vergleichbares Stück.

Himmelsscheibe von Nebra-I-2
Werbestempel vom Briefzentrum 6 und Ersttagsstempel, der die Bedeutung darstellt

Man fand heraus, dass es sich um die älteste konkrete Himmelsdarstellung der
Menschheitsgeschichte handelt. Die Himmelsscheibe ermöglicht eine grundlegende
Neubewertung der astronomischen Kenntnisse der frühen Bronzezeit. Ein Sternbild
wurde auf der Scheibe neben Einzelsternen dargestellt, das Siebengestirn der
Plejaden. Antike Autoren haben schon die Bedeutung der Plejaden für die
Bestimmung des Aussaat- und Erntetermins hervorgehoben. Sichelmond und
Vollmond stehen für die Daten 10. März und 17. Oktober. An beiden Tagen sind die
Plejaden sichtbar. Die beiden Horizonte bestimmen die Daten der Sonnenwenden 21.
Juni und 21. Dezember. Der stark gebogene Goldstreifen stellt ein Schiff dar, so wie
es von skandinavischen Felszeichnungen bekannt ist. Die Rekonstruktion der
Fundumstände machte deutlich, dass die Scheibe zur Sommersonnenwende auf den
Sonnenuntergang über den Brocken zeigt. Dies wird schematisch im Ersttagsstempel
von Halle dargestellt. In der Anordnung der Gestirne auf der Scheibe kommen also
genaue astronomische Kenntnisse zum Ausdruck.
Das heutige Landesmuseum für Vorgeschichte wurde als Provinzialmuseum 1882
eröffnet. Seit 1912 befinden sich die Sammlungen im Museumsneubau in der
Richard-Wagner-Straße in Halle. Es ist das erste Museumsgebäude für prähistorische
Archäologie in Deutschland. 1948 erfolgte die Umbenennung in Landesmuseum für
Vorgeschichte. Seit 1997 lautet die offizielle Bezeichnung Landesamt für Archäologie
- Landesmuseum für Vorgeschichte. Es gehört in Europa zu den bedeutendsten
Museen der Vorgeschichte.

Himmelsscheibe von Nebra-I-3Ersttagsstempel zur Serie "Archäologische Funde in der DDR" von 1970
Fassade des Museums

Der mitteldeutsche Raum Sachsen-Anhalts ist besonders reich an historischen
Denkmälern. Kein deutsches Bundesland hat so viele historisch wertvolle Denkmäler
wie Sachsen-Anhalt, was leider nur wenig bekannt ist. Auch die prähistorischen
Funde übersteigen bei weitem den Durchschnitt Deutschlands. Sie werden im
Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle gesammelt. Von hier aus werden auch die
Ausgrabungen durchgeführt und die Funde restauriert, katalogisiert und
veröffentlicht. Die Direktoren waren stets bedeutende Forscher, die auch an der
Universität Halle einen Lehrstuhl hatten.
Einige Funde des Museums wurden 1970 auf einer Briefmarkenserie der DDR-Post
abgebildet. Dadurch kann man einen kleinen Einblick in die Vielfalt der im Museum
gezeigten Stücke gewinnen.
Der älteste Gegenstand, der auf einer Briefmarke abgebildet wurde, ist eine
Tontrommel, die in Rössen, einem Ortsteil von Leuna bei Merseburg, gefunden
wurde. Sie ist 22 Zentimeter hoch. Die seitlichen Zapfen dienten zum Spannen des
Trommelfells. Eingeritzte Muster schmücken den unteren Teil des Tonkörpers.
Ähnliche Instrumente werden noch heute in Afrika und Asien verwendet. Von diesen
Tontrommeln besitzt das Museum mehrere. Sie geben uns einen Einblick in die
Musikwelt der Bernburger Kultur, die in die Jungsteinzeit fällt. Das Alter beträgt
etwa 4 500 Jahre. Man datiert die Entstehungszeit zwischen 3 300 und 2 700 v. Chr..
Das Hängebecken aus Wegeleben im nördlichen Harzvorland stammt aus der
Bronzezeit. Es gehört in die jüngere Bronzezeit und ist im 9. Jahrhundert v. Chr.
entstanden. Solche Bronzebecken waren in Nordeuropa über einen langen Zeitraum in
Gebrauch. Die Funktion lässt sich nicht genau bestimmen, denn die schönen
mäanderartigen Punzverzierungen befinden sich auf dem Außenboden. Sie sind als
endloses wellenförmiges Band gestaltet. Ein innerer Kreis besteht aus gewundenen
Ornamenten, die in Haken enden. Dadurch entsteht der Eindruck von Pferdeköpfen,
die auf Wellen reiten. Vielleicht stellte man hier Schiffe mit Pferdeköpfen dar, die von
skandinavischen Felszeichnungen bekannt sind.

Himmelsscheibe von Nebra-I-4
Tontrommel von Gössen Hängebecken von Wegeleben

Eine weitere Briefmarke ist dem Spangenhelm von Stößen bei Naumburg gewidmet.
Seit 1907 hatte man auf dem frühmittelalterlichen Friedhof bei Stößen immer wieder
Bestattungen gefunden. 1929 fand man das Grab eines jungen Mannes, der eine
besondere soziale Stellung besessen haben muss, denn die Grabbeigaben waren
wesentlich umfangreicher und wertvoller als die in den anderen Gräbern. Im Ostteil
des Grabes war die Erde bei einer Raubgrabung eingestürzt, so dass die Grabräuber
sie nicht durchsuchten. Hier fanden die Archäologen einen goldenen Spangenhelm. Er
besteht aus mehreren Teilen. Ein eiserner Stirnreif bildete das Gerüst. Er trägt außen
einen vergoldeten Kupferblechstreifen an den sechs goldene Stangen genietet wurden.
Sie treffen sich oben und sind dort durch eine kleine Platte miteinander verbunden.
Zwei Wangenklappen sind seitlich an dem Stirnreifen befestigt. Ein Nackenschutz aus
Kettegliedern ergänzte einst den Helm, fehlt aber heute. Auf der Spange an der
Stirnseite ist ein lateinisches Kreuz zu sehen. Der Besitzer des Helmes war also
bereits Christ. Auch auf den übrigen Spangen wurden christliche Motive angebracht.
Spangenhelme sind die frühmittelalterlichen Nachfolger der spätrömischen Helme,
die von den militärischen Oberbefehlshabern getragen wurden. Sie wurden in Byzanz
um 500 n. Chr. hergestellt und galten als Rangabzeichen. Sie wurden nur in
Adelsgräbern gefunden. Wahrscheinlich erhielten Stammesherzöge solche Helme vom
byzantinischen Kaiser für militärische Unterstützung. Bisher sind lediglich 30
Spangenhelme bekannt.
Der Reiterstein, der 1874 bei Hornhausen in der Magdeburger Börde gefunden wurde,
war bisher das Aushängeschild des Museums. Der 75 Zentimeter hohe Stein wurde
nach seiner Bergung mit der Bildseite nach oben als Pflasterstein im Kuhstall
verwendet. Erst 1910 fand der Arzt des Dorfes dort den Stein und erkannte seine
Bedeutung. 1913 kam der Reiterstein dann in das Museum nach Halle.
Glücklicherweise besteht er aus einem so harten Gestein, dass ihm Schuhe und Mist
nicht geschadet haben. Auf der Bildseite ist ein berittener Krieger abgebildet. Sein
Schild verdeckt den Oberkörper. Das Schwert trägt er auf der linken Seite und in der
rechten Hand trägt er eine Lanze. Das Pferd hat zwar einen etwas zu kleinen Kopf,
aber dafür ist das Zaumzeug exakt wiedergegeben worden. Ein Flechtband rahmt die
Figur ein. Ein Mäanderband aus einem Schlangenkörper schließt den Stein unten ab.

Himmelsscheibe von Nebra-I-5
Spangenhelm von Stößen Reiterstein von Hornhausen

Die Bewaffnung des Reiters lässt erkennen, dass hier ein Angehöriger des Hochadels
dargestellt worden ist. Die Lanzenspitze ermöglicht eine Datierung um 700 n. Chr.,
denn nur zu diesem Zeitpunkt waren diese Lanzenspitzen üblich.
Wahrscheinlich hat es sich um eine Grabplatte gehandelt. Der Reiter bewegt sich nach
links. Diese Richtung steht symbolisch für das Totenreich. Die Darstellungen zeigen,
dass sich hier ein Krieger auf den Weg nach Walhall machte, um dort an den Gelagen
des Göttervaters Odin teilzunehmen. Ähnliche Darstellungen hat man auf Gotland
gefunden. Alles weist also auf den nordischen Kulturkreis hin. Man nimmt an, dass es
sich um einen Grabstein des germanischen Stammes der Sachsen handelt. Die
Sachsen siedelten seit 531 in dem Gebiet nördlich des Harzes und erst durch Karl des
Großen wurden sie zur Annahme des Christentums gezwungen. Auf dem Grabstein
fehlen noch christliche Symbole.
Der Reiterstein galt bisher als Synonym des Museum für Vorgeschichte in Halle. Er
erschien bis 2007 auf den Absenderfreistempeln. Dann wurde das Bild entfernt und
der Werbeeinsatz des Stempels hatte lediglich Schrift als Inhalt. Ich könnte mir
vorstellen, dass nach der Eröffnung des Museums am 22.05.2008 die Himmelsscheibe
von Nebra als bedeutendstes Objekt des Museums den Absenderfreistempel zieren
wird.

Himmelsscheibe von Nebra-I-6
Reiterstein von Hornhausen

Himmelsscheibe von Nebra-I-7
Absenderfreistempel mit dem Reiterstein von Hornhausen von 1999

Literaturauswahl:
Meller, Schönheit, Macht und Tod - 120 Funde aus 120 Jahren Landesmuseum für
Vorgeschichte in Halle, Halle 2001
Meller, Der geschmiedete Himmel - Die weite Welt im Herzen Europas vor 3600
Jahren, Stuttgart 2004
Müller, Brückenschlag über Jahrtausende, Wegweiser durch die Schausammlung des
Landesmuseums für Vorgeschichte Halle, Berlin 1984
Löwer, Die Welt der Sternendeuter, in National Geographic März 2007

Autor: Dietrich Ecklebe (AIJP)

Geschrieben am ..

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