Landesverband der Philatelisten in Sachsen-Anhalt e.V. im BDPh. e.V.

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170. Geburtstag von Alwin Zschiesche (Naumburg)

Stationen aus seinem Leben Autor: Hans-Peter Garcarek

Als Ferdinand Carl Alwin Zschiesche am 23. Juni 1843 in Leipzig das Licht der Welt erblickte, befand sich diese Welt am Vorabend eines bourgeoisen Umbruchs. Gesellschaftsverändernde Ereignisse wurden immer häufiger. So z. B. konnte Alwin nicht ahnen, dass die kleinen Kunstwerke, Postwertzeichen oder Briefmarken genannt, die 1840 erstmals in England erschienen waren, einmal sein Leben bestimmen sollten.
Ob und wann der junge Alwin mit dem Briefmarkensammeln begann, wissen wir nicht. Fest steht aber, dass er den Kaufmanns- bzw. Buchhändlerberuf erlernte. Als solcher verdiente er sich ab 1863 in dem von seinem Onkel Carl C. Zschiesche 1855 eröffneten Antiquitäten- und Münzhandel in der Königsstraße 25, in Leipzig, seine ersten Sporen.
Alwin hat maßgeblich - wenn nicht sogar federführend - an der ersten deutschsprachigen philatelistischen Fachzeitschrift, dem "Magazin für Briefmarken-Sammler" (1.5.1863-1.4.1867), mitgewirkt. (Abb. 1)
Besteht zwischen dem Ende der Zeitung und der Eröffnung der Briefmarkenhandlung von Alwin Zschiesche am 1. April 1867 ein Zusammenhang? 1868 gibt Alwin seinen ersten Briefmarkenkatalog (mehr eine Preisliste) heraus. Bis 1889 erscheinen weitere 12 Auflagen. (Abb. 2)

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Abb. 1: Die letzte Ausgabe des "Magazins..."

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Abb. 2:

Mit 22 Jahren beginnt Alwin sich intensiv mit dem Briefmarkenalbum zu beschäftigen. 1869 erscheint sein erstes Produkt auf dem Markt: das von ihm vollständig umgearbeitete Album von Richard Claudius, das im April 1865 bereits in der 5. Auflage erschienen war.

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Abb.: Anzeige aus "Der Bazar für Briefmarken-Sammler", Nr. 6, Dezember 1869, S. 41)

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Doch Alwin Zschiesche will mehr. Mit seinem ersten eigenen Produkt, dem "Illustrirten Briefmarken-Album", tritt er im Juni 1872 an die Öffentlichkeit. Glaubt man der Werbung, erscheint 1894 die 13. und letzte Auflage des Zschiesche-Albums.

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Abb. 3: Anzeige in der I.B.Z., 10.04.1894

Im Oktober 1870 - Deutschland und Frankreich führen gegeneinander Krieg - erscheint die Nr. 1 der von Gustav Bauschke und Alwin Zschiesche herausgegebenen "Deutschen Briefmarken-Zeitung", die drei Jahrgänge erlebt. 1876 kauft der Briefmarken-Großhändler Julius Goldner aus Hamburg die Firma Zschiesche & Köder. Im gleichen Jahr erwirbt Alwin Zschiesche den Weinberg "vor dem Michaelisthor" 1222k in Naumburg an der Saale. Zufall oder Ursache-Wirkung-Verhältnis? Im Oktober 1881 verkauft A. Zschiesche seine Antiquitätenhandlung in der Leipziger Bahnhofstr. 2 an Georg Müller, er selbst setzt Briefmarkenalbum und -handel fort.

Durch eine Neunummerierung der Straßen in Naumburg, wird 1877 aus "vor dem Michaelisthor" 1222k die Kösener Straße 17. Hier erbaut Alwin Zschiesche 1881 seine Villa, in die er Anfang 1882 mit seiner Familie- Frau und Sohn - und seiner neuen Antiquitäten- und Briefmarkenhandlung einzieht. Bei dem inzwischen 38jährigen wächst das Interesse an philatelistischen Vereinen. Im Januar 1882 wird er Einzelmitglied im 1877 gegründeten Dresdner "Internationalen Philatelisten-Verein" (IPV).
Er befördert die Herausbildung der Naumburger Sektion des IPV, deren Gründung im Januar 1889 bestätigt wird. Alwin Zschiesche selbst tritt ein Jahr später dieser Sektion bei. Dem IPV treten am 18.8.1882 der in Hamburg lebende Richard Salecker, und am 18.8.1883 der Naumburger Briefmarkenhändler Hermann Brand bei. Der Kaufmann Hermann Brand (3.4.1851 - 15.8.1894) bleibt Einzelmitglied, während Richard Salecker (5.4.1858 - 17.4.1936) am 14. Mai 1895 in Naumburg heiratet, in der Kösener Str. 37 wohnt und 1898 der Naumburger Sektion des IPV beitritt.
Vom 2. bis 4. September 1893 findet in Berlin der 5. Deutsche Philatelistentag statt. Unter den 150 Anwesenden befindet sich auch Alwin Zschiesche.

Anfang 1897 tritt Alwin Zschiesche dem "Internationalen Postwertzeichenhändler-Verein" in Berlin bei. Seit 1894 ist hier auch der spätere Naumburger Briefmarkenhändler Ernst Hayn Mitglied. 1910 verlässt Alwin Zschiesche Naumburg a. d. S. (warum?) und siedelt nach Wiesbaden über, wo er umgehend in der Bahnhofstr. 8 eine Filiale des Naumburger Geschäftes, das Richard Salecker als neuer Inhaber fortführt, eröffnet. Verarmt stirbt Alwin Zschiesche am 31.5.1929.

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Abb. 4 Geschäftskarte von Alwin Zschiesche an Hugo Michel Apolda, vom 27. April 1901.

Autor: Hans-Peter Garcarek
aus VM des BV Naumburg 2013 - Seite 20/21

Reaktionen, Hinweise, Ergänzungen, weitere Quellen, mögliche Nachrichten und Informationen zum Thema Alwin Zschiesche bitte per Mail an petergarcarek@arcor.de senden. Danke!

Siehe auch:
66-jähriger Naumburger forscht in der Freizeit zum Leben und Wirken zweier Briefmarkenhändler, die in der Domstadt nur noch wenigen bekannt sind.

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