Landesverband der Philatelisten in Sachsen-Anhalt e.V. im BDPh. e.V.

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Grenzbereich Böckwitz und Zicherie 1945

zur Erinnerung an den Mauerbau 1961 Klaus Hirschfeld

Die beiden kleinen Gemeinden, waren nur einen Steinwurf entfernt und wuchsen immer mehr zusammen und waren früher nur durch die Landesgrenzen Hannover und Preußen, später im Deutschen Reich, als OPD/RPD – Grenzen getrennt.
Nicht nur hier wurde die Landpostversorgung nach den Kreisgrenzen eingeteilt, sondern nach günstigen Rundkursen über Kreis- und auch Ländergrenzen vermittelt.

Grenzbereich Böckwitz und Zicherie 1945
Abb.1 Der vergrößerte Kartenausschnitt wurde der Broschüre „Die Post im Altkreis Isenhagen“ entnommen.

Interessant wird die Sache aber im Sommer 1945, als die Grenze jetzt die Britische Zone und die Sowjetische Zone trennte.
Im Leitbereich Wittingen waren östlich die Pst (II) Gladdenstedt, Pst (II) Nettgau, Pst (II) Wendischbrome und die Pst (II) Steimke und die Posthilfsstelle Böckwitz betroffen. Der Autor der oben genannten Broschüre, schreibt richtig, Ab Juni 1945 sowjetische Besatzungszone oder am 28. Juni 1945 teilt die Oberpostdirektion mit, dass die Postversorgung über das Postamt Wittingen nicht mehr erfolgen kann. = oder Ab Juni 1945 sowjetische Besatzungszone

Diese Gegend wurde auch in dem Beitrag von Gonnermann „Grenzgängerpost – auf den Inhalt bezogen“ AG Deutsche Notmaßnahmen“ Rundbrief Nr.40 Seite 45-47 Februar 2006 behandelt.
Nun ist eine interessante Ganzsache aufgetaucht und die durch Insiderwissen mitgenommen worden, leuchtet die Umstände in diesem Grenzbereich etwas auf, wobei nur die Anschrift (nicht philatelistisch ? ) und die Postwege von Interesse sind.

Grenzbereich Böckwitz und Zicherie 1945
Abb.2 Ganzsache Berlin u. Brandenburg PK 6 + Zusatzfrankatur

Entwertet wurde die Ganzsache beim PA Berlin – Charlottenburg 2 am 23.3. (die Jahreszahl befand sich nicht auf der Stempelwalze) und lief durch die Stempelmaschine. Die Zusatz –Frankatur ist durch die Portoerhöhung, per 1.3.46 erklärlich.
Der Schriftverkehr bezog sich auf eine Buchanfrage, im Text wird noch erwähnt Vertriebene aus Thorn, der Absender, die Cousine wusste die genaue Anschrift.
Empfänger in (19) (Böckwitz Kr. Salzwedel Altmark) Post Brome, jetzt kommt es. Der Cousin ist über die grüne Grenze gegangen und wohnt nun in Zicherie Post Brome. Die PLZ (19) wurde mit (20) überschrieben, die Adresse mit gleichem fetten Bleistift gestrichen.

Wenn man die Gegend aus eigenem Erleben kennt und seit 20 Jahren ist es ja möglich, die beiden Ortschaften waren durch die Grenzziehung an Einwohnerzahl bestimmt nicht groß, die Grenze ging sozusagen über den gemeinsamen Dorfplatz, aber ein Kommunikationsbedürfnis bestand zu allen Zeiten. Wie wurde die Karte nun postalisch behandelt (am einfachsten währe es gewesen, per Flugpost über den Dorfteich).
Böckwitz, wurde Posthilfsstelle von dem ZwPA Kunrau und gehörte zum Leitpostamt Oebisfelde, die Karte ging zurück und wurde sicher in Kunrau mit neuer Anschrift versehen > Zicherie Post Brome < und die PLZ (19) wurde mit (20) überschrieben.
Oebisfelde hatte Eisenbahnanschluß, so konnte die Karte nach Magdeburg gelangen und im Interzonenverkehr in den Westen über Braunschweig und Wittingen, zwar mit Verspätung, aber doch an das Ziel zum Empfänger kommen.
Deutsch – Deutsche Geschichte wird durch die Postgeschichte lebendig, 1961 wurde auf dem gemeinsamen Dorfplatz auch eine Mauer errichtet und es dauerte Jahrzehnte bis alles wieder zugänglich ist.

Quellen
Heinrich Munk –Die Post im Altkreis Isenhagen ISBN 3-929632-75-6
Ortsverzeichnis I Verzeichnis der Postämter sowie der Bahnhöfe der Eisenbahn, der Schiffsanlegeplätze in Großdeutschland, bearbeitet im Reichspostzentralamt, Mai 1944
Verzeichnis der Postämter nebst zugeteilten Amtsstellen Bezirk Magdeburg Stand 1. Juli 1945 (Abwicklungsstelle RPD Magdeburg)
Dr. Dieter Piwernetz: Maschinenstempel des Postamtes Berlin-Charlottenburg Ub Ap
ArGe LOKNOT Rundbrief 27/1977

Zu dem Thema Besatzungszonenwechsel gibt es inzwischen mehrere Beiträge:
Erich Herpichböhm „Als die AM-Post-Marken in Thüringen und der Provinz Sachsen geduldet waren“ in Philatelie und Postgeschichte Nr. 77/1984
Dto. In den Rundbriefen der BAG Thüringen-SBZ/OPD-Ausgaben 16/76, 20/76. 33/77,34/77, 37/78, 50/79,63/82, 64/82, 67/83 und 68/83 u.a.
Donald Slawson/Walter Farber : Die Grenzziehung zwischen denBesatzungszonen Deutschland : Postalische Aspekte AG Deutsche Notmaßnahmen Rundbrief 11/ 98
Hans-J. Richter: „Schaalseeräumung“ ein später Gebietsaustausch zwischen der britischen und sowjetischen Zone. AG Deutsche Notmaßnahmen Rundbrief 28/2006
Udo Kairies: Postamt Neuhaus/Elbe Deutsche Lokalausgaben Rundbrief 15/1974

Klaus Hirschfeld :Besatzungszonenwechsel im Leitbereich Helmstedt in Festschrift zum Briefmarkensalon „Deutsche Postgeschichte 1945 –1948 in Weimar 1995 und Rundbrief 60/1996 der AG AM - Post
Walter Farber: Hamburg – Helmstedt – Berlin Eine ungewöhnliche Grenzgängerkarte AG Deutsche Notmaßnahmen Rundbrief 11/1998
Wilhelm Schmidt : Keine ungewöhnliche Grenzgängerpostkarte AG Deutsche Notmaßnahmen Rundbrief 12/98
Hans-H.Mücke :Besatzungszonenwechsel im Jahre 1945 Der Landkreis Blankenburg
BAG Deutsche Barfrankaturen und Notentwertung ab 1945 Rundbrief 49/1992
Rolf-D. Gonnermann: Grenzgängerpost auf den Inhalt bezogen ! AG Deutsche Notmaßnahmen Rundbrief 40/2006
Wolfgang Strobel : AM-Post in Liebenrode :Besatzungszonenwechsel 1945 von Braunschweig nach Thüringen AG Deutsche Notmaßnahmen Rundbrief 47/2007

Der Beitrag erschien schon bei der ArGe Deunot Rundbrief 55/2010

Weitere Informationen unter: www.grenzbilder.de

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