Landesverband der Philatelisten in Sachsen-Anhalt e.V. im BDPh. e.V.

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Der Hebammenverlag von Osterwieck

Von Uwe Kraus

Der heutige Landkreis Harz gilt pressegeschichtlich nur als sehr punktuell erforscht. Gerade die Zeitschriftenlandschaft birgt noch viele Leerstellen. Mehrere Absenderfreistempel belegen, dass eine Reihe medizinisch und sozial ausgerichteter Blätter hier ihren Ursprung hatten.

Seit 1886 begleitet der Berliner Elwin Staude Verlag die Berufsgruppe der Hebammen. Damals erschien das erste Heft der Publikation „Allgemeine Deutsche Hebammen-Zeitung”, die in den ersten Ausgaben als „Berliner Hebammen Zeitung” zunächst von Olga Gebauer, der Gründerin des ersten Berliner Hebammenvereins und späteren Schriftleiterin der Zeitung, im Eigenverlag herausgegeben worden ist. 1920 lag die Auflage, die inzwischen eine deutschlandweite Verbreitung hatte, bereits bei rund 20.000. Im April 1936 erfolgte die Umbenennung der Zeitschrift in „Zeitschrift der Reichsfachschaft Deutscher Hebammen“. Der Verlag warb in diesem Jahr seinen Kunden gegenüber mit einer Druckauflage von 19000 Exemplaren.
Bereits 1920 verkaufte der Sohn des Verlagsgründers, Erwin Staude, seinen Verlag an die Druckerei A. W. Zickfeldt in Osterwieck, wo die Zeitschrift schon seit mehreren Jahren gedruckt worden ist. Geleitet wurden die Druckerei und die Verlage A.W. Zickfeldt und Elwin Staude Verlag von Rudolf Zickfeldt, dem Sohn des Verlagsgründers. Den Verlag übernahm 1928 sein Sohn Dr. Kurt Zickfeldt, die Leitung der Druckerei und den A.W.Z Verlag teilten sich Rudolf Z. und sein Sohn Dr. Wilhelm Zickfeldt.
1949 wurde die Fachzeitschrift in Hannover unter dem Namen "Deutsche Hebammen Zeitschrift" neu gegründet.

Nach dem Tod seines Vaters Dr. Kurt Z. nahm 1985 Kurt Zickfeldt jun. die Verantwortung des Elwin Staude Verlages in die Hand. In langer Tradition arbeitete er eng mit dem Bund Deutscher Hebammen zusammen, dessen Verbandsnachrichten bis 2000 in der Zeitschrift veröffentlicht wurden. 2001 übergab Kurt Zickfeldt den Verlag an seine Tochter Britta, die ihn seitdem - in bereits fünfter Generation der Familie Zickfeldt - zusammen mit ihrem Mann Claus Zickfeldt leitet.

In der Entwicklung der Publikationen aus dem Osterwiecker Verlag lässt sich Zeitgeschichte nachvollziehen. Durch einen unvorstellbaren und noch nie in der Geschichte der Pflege da gewesenen Konzentrationsprozess hatte die Nazi-Regierung über das Reichsinnenministerium aber bald auch über die Parteiebene der NSDAP direkten Zugang zu allen Bereichen des Gesundheits- und Sozialwesens Deutschlands. Dabei spielten die vorhandenen Medien eine große Rolle.

Innerhalb des Jahres 1933 haben die bis dahin bestehenden Fachzeitschriften ihre Publikationen eingestellt und an deren Stelle traten die Zeitschriften der „Reichsfachschaft“. Sie hießen bis 1935 „Dienst am Volk“ und danach „Die deutsche Schwester". Diese Zeitschrift des Fachausschusses für Schwesternwesen in der Arbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege, Herausgeberin war die Reichsfrauenführerin, publizierte die Osterwiecker Elwin Staude Verlagsbuchhandlung KG. Der Versand erfolgte als Zeitungssendung mit Absenderfreistempel zum ermäßigten Tarif.

Dort erschien von 1903 bis 1922 „Die Mutter“, herausgegeben von Eduard Dietrich und Olga Gebauer. In diesem „Hebammenverlag“, wurde auch „Mutter und Kind“ bis zur Einstellung ihres Erscheinens verlegt.

„Mutter und Kind“ integrierte neben „Die Mutter“ zwei weitere so genannte „Volksbelehrungsblätter“. Das war einerseits die Titel gebende Monatsschrift für Säuglingsfürsorge (1908 –1922), die vom Düsseldorfer Verein für Säuglingsfürsorge und Wohlfahrtspflege, der Zentrale für Mutter- und Säuglingsfürsorge in Hessen und der Badischen Landeszentrale für Säuglingsschutz herausgegeben worden war. Als dritte Zeitschrift ging „Unser Weg. Blätter für Gesundheit in Haus und Familie“ in „Mutter und Kind“ auf. Sie erschien zwischen 1910 und 1920 als Organ der Preußischen Landeszentrale und fast aller preußischen Provinzzentralen für Säuglingsschutz.

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„Mutter und Kind“ bestand von 1923 bis 1944 als „Zeitschrift für Ernährung, Pflege und Erziehung des Kindes, für Mütter, Säuglings- und Kinderpflegerinnen und Kindergärtnerinnen. Der Osterwiecker Elwin Staude Verlag bezifferte die Auflagen bis 1931 mit 12.500 Exemplaren, 1939 hatte sich die Zahl fast halbiert.

Folgende Titel wurden in der Nationalsozialistischen Zeit dem Elwin Staude Verlag übertragen: "Die Deutsche Schwester", "Zeitschrift für Krankenpflege Masseure und Badebetriebe", "Zeitschrift für Desinfektoren und Laboranten", "Der Praktische Arzt", "Der Deutsche Volkserzieher", "Praxis der Landschule".

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