Landesverband der Philatelisten in Sachsen-Anhalt e.V. im BDPh. e.V.

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Für Bahnpostsammler

Von Klaus Hirschfeld

Die Eisenbahn steht jetzt immer wieder in den Seiten der Zeitungen, ob nun Streik der Lokomotivführer, Verspätungen der Züge oder das Lösen von Fahrkarten am Automaten.

In letzter Zeit häufen sich wieder Eisenbahnjubiläen und die Zusammenarbeit von Eisenbahnfreunden und Philatelisten bringt auf beiden Seiten Besucher zu den Veranstaltungen.

Als noch die Deutsche Reichspost den Begriff E+ 1 noch nicht kannte, aber die Laufzeiten der Postsendungen beträchtlich waren, aus dieser Zeit soll die Kolumne handeln.

In Halle erschien die „Saale-Zeitung. In deren Nr.50 von1894 wurde folgende Leseranfrage veröffentlicht:

„Könnern, den 28. März.

Die geehrte Redaktion bitte ich um freundliche Mitteilung darüber, ob es Vorschrift oder Zufall ist, daß auf den Bahnpostbriefen, das heißt auf den in die Eisenbahnpostwagen gelegten Postsachen stets ovale, auf den an stationären Postämtern eingelieferten Briefe aber immer runde Abstempelungen vorgenommen werden.
gez. P.H.“

Daraufhin gab die Redaktion folgende Antwort:

„Sie sind im Irrtum; es ist weder Vorschrift noch Zufall, sondern die Folge eines einfachen physikalischen Gesetzes. Die Post wendet, auch im Bahnpostwagen, ausschließlich r u n d e Stempel an. Die lange Form wird nur durch die Fahrt hervorgebracht.

Die betreffenden Beamten stehen nämlich, des besseren Lichtes wegen, mit dem Gesicht nach dem Wagenfenster, den runden Stempel in der Hand. In dem Momente, wo sie nun während der Fahrt den runden Stempel aufsetzen wollen, geht ja doch der Zug, und mit ihm natürlich der Tisch im Waggon und der auf dem Tisch liegende Brief unter dem Stempel weiter und dieser muss daher ein längliches Aussehen gewinnen. Je schneller die Fahrt, desto länger muß nun der Stempel werden, und man könnte aus dem Verhältnis der langen zur kurzen Achse des elliptisch gewordenen Stempelabdrucks die relative Geschwindigkeit im Augenblick der Stempelung bestimmen.

Natürlich büßen vielfach die Stempel durch die Verzerrung an Deutlichkeit etwas ein. Die Statistik über die undeutlichen Stempel ergibt, dass unter 100 Stationsbriefen 98 mit schadhaften Stempelabdrücken, dagegen unter 100 Bahnpostbriefen 99 mit solchen vorkommen, ein durch die Ursache völlig erklärtes Resultat.

Sollten Sie einmal einen Bahnpostbrief mit rundem Stempel finden, so wissen Sie nun also, dass die Abstempelung stattgefunden hat, als der Zug im Bahnhofe stand.

Ein Beispiel zur langen Form des Stempels geben wir Ihnen noch, wenn wir Sie darauf hinweisen, dass jemand, der von einem in Fahrt befindlichen Pferdebahnwagen senkrecht zur Fahrtrichtung abspringt, gewöhnlich lang hinschlägt. [Auweia]

Die Redaktion

Man glaubt es nicht, die Zeitung Nr. 50 der „Saale-Zeitung“ erschien am 1. April 1894

Aus „Der Philatelist“ Vereinszeitung des Inter. Philatelistenvereins von 1877 Dresden Jg. 1894, Nr.5
Wiederentdeckt auf der Internetseite des Philatelistenvereins Fürstenfeldbruck, 2004
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