Landesverband der Philatelisten in Sachsen-Anhalt e.V. im BDPh. e.V.

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Chausseegeld oder Maut

Aus dem Haldensleber Vereinsheft Nr.42 von Klaus Hirschfeld

Der zweite Begriff ist wieder im Gespräch, wenn man auf der Autobahn fährt. Aber es ist alles schon mal da gewesen !

Denken wir uns einmal um rund 180 Jahre zurück – in die Zeit der Postkutsche. Kaum wagte man sich aus seinem kleinen Städtchen heraus ! Das Reisen war mit Unannehmlichkeiten und auch Verdrießlichkeiten verbunden.

Den Reisenden begegneten die staatlichen Behörden mit dem größten Misstrauen. Die Torwächter und Torschreiber sowie alle zur Unterstützung der Landespolizei angestellten Beamten waren verpflichtet, sich die Pässe und Atteste der reisenden Personen vorzeigen zu lassen. Die Hausbesitzer und Herbergen, bei denen Fremde Speisen verzehrten, mussten noch am selben Abend dem Magistrat der Stadt Anzeige zu den Fremden erstatten.

Ein jeder zu Fuß Reisende und das war die Mehrzahl durfte nur über ein Grenzzollamt das Land betreten und es durfte die zum Aufenthalte im Lande bestimmte Zeit nicht überschritten werden.

Harte Sitten zur damaligen Zeit.

„Wer eine Chausseegeld = Hebestelle umfährt, oder nicht anhält erhält außer der vorenthaltenen Abgabe den vierfachen Betrag, mindestens aber einen Thaler als Strafe. Wer eigenmächtig einen Schlagbaum öffnet, zahlt drei Thaler; wer den Bestimmungen zuwider den Chausseezettel nicht vorzeigt, zehn Silbergroschen bis zu einem Thaler als Strafe“. So aus dem Jahr 1840.

Der Chausseegeldpächter musste auch leben, er achtete schon auf die Einhaltung der Bestimmungen.

Chausseegeld oder Maut-01
Abbildung aus dem Amtsblatt der Königlichen Regierung vom 27.7.1841

Chausseegeld oder Maut-02
Abbildung aus dem Amtsblatt der Königlichen Regierung vom 9.12.1841

Der Bau oder die Pflasterung der Kunststraßen kostete Geld und irgendwie musste es wieder hereinkommen.

„Jeder hat eine Quittung über das von ihm bezahlte Chausseegeld (Chausseezettel) zu fordern, dieselbe den Zoll-, Steuer-, Polizei oder Wege=Aufsichtsbeamten auf Verlangen jederzeit vorzuzeigen und bei Vermeidung nochmaliger Zahlung bei der nächsten, von ihm berührten Chausseegeldstelle abzugeben.

Chausseegeld oder Maut-03
Quittungen über sechs Pfenninge und einen Silbergroschen Chausseegeld, der Einkreisstempel Neuhaldensleben mit Stecktypen für das Datum ist aber nicht postalischen Ursprungs.

Auf der Rückseite ist noch angegeben; „Diese Quittung ist an der nächstfolgenden Hebestelle abzugeben“.

„Chausseezettel, welche zweimal gestempelt sind, sind ungültig“.

Die Bedeutung des Einschnittes und die beiden Abkürzungen „N.K.C.“ und „M.N.H.“ sind mir nicht bekannt.

Chausseegeld oder Maut-04
Abbildung aus dem Amtsblatt Nr. 22 der Königlichen Regierung vom 28.5.1864

Noch früher wurde zwischen Preussen und Braunschweig in Hötensleben am Fährturm oder in Morsleben und Weferlingen ein einheitlicher Zoll zum Herzogthum Braunschweig erhoben.

Für den alten Holzkreis wurde in Neuhaldensleben ein Geleitsinspektor und drei Bereiter (zu Diesdorf, Barleben und Marienborn) bestellt, die aufzupassen hatten, dass die auf Straßen verkehrenden Kaufleute durch Zollzettel nachweisen konnten, dass sie ihrer Zollpflicht genügt hatten.

Als 1868 der Ausbau der Kreischaussee von Flechtingen, Behnsdorf, Hödingen nach Walbeck voranschritt, vergab man im Hermannschen Gasthof zu Hödingen den Neubau eines Chausseehauses am „Königlichen Forstort Rehm“ an den mindestfordernden Unternehmer.

Nach Fertigstellung der neuen Kreisstrasse und des Chausseehauses musste jedes Fuhrwerk ganz gleich aus welcher Richtung die Kreuzung passieren wollte, musste an der Barriere Rehm (Schlagbaum) halten und im Chausseehaus das Chausseegeld entrichten.

Heute heißt es nicht mehr Chausseegeld, sondern Maut, wie auf Autobahnen im Ausland oder bei Tunneldurchfahrten per Automobil.

Quellen
Kopien aus dem Amtsblatt der Königlichen Regierung versch. Jg.
Wochenblatt, Jg. 1868 und 1869
Ein Beitrag über Chausseegeld ist abgedruckt im Rundbrief 122 der
ArGe Preußen „Preussen – Studien“

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