Landesverband der Philatelisten in Sachsen-Anhalt e.V. im BDPh. e.V.

 Startseite  Beiträge  Veranstaltungen  Mitgliedsvereine  Impressum  Anmelden
Beiträge

Zur Broschüre „Aus dem Leben des Zeitzer Philatelisten Hans Grunewald"

Lesermeinung Von Hans Tauchnitz, Naumburg

Gern und mit Freude habe ich immer die Beiträge zur Zeitzer Philatelie und Postgeschichte als ehemaliger Zeitzer gelesen und vieles daraus gelernt und erfahren, was mir auch noch nicht bekannt war. Vielen Dank den zahlreichen Autoren dafür. Dann kam das Heft 33 über Hans Grünewald. Ich dachte, na ja, wenn sie es gut gemacht haben, hat er auch verdient, als kuriose und eigenwillige Person in die Zeitzer Philateliegeschichte einzugehen. Nach der Lektüre der Broschüre war ich jedoch erstaunt und es taten sich immer wieder die Fragen auf „Welche Person wird eigentlich beschrieben? Wer ist das? Dies war doch nicht Hans Grünewald – so wie ich ihn seit 1960 kannte!“ Mir ist immer noch unklar, aus welchem Grunde heraus Peter Laub und Hubert Tretner auf einmal eine solche „Vaterliebe“ zu Hans Grünewald entdeckt und entwickelt haben. Sie versuchen ihn auf einen Sockel zu hieven, welcher im Allgemeinen und im Besonderen zu groß für ihn ist. Die Region Zeitz hat viele gute Philatelisten hervorgebracht. Hätte man über diese alle in der Broschüre berichtet und versucht über ihre Aktivitäten zur Entwicklung der Zeitzer Philatelie eine Bewertung vorzunehmen, dann hätte in dieser Reihe auch Hans Grünewald einen Platz abbekommen.

Nun zur Person und den Philatelisten Hans Grünewald, wie ich ihn kenne. Er war elitär, eigensinnig und akzeptierte keine andere Meinung als seine eigene. Dass es für ihn nicht einfach war bis zum Kriegsende, bestreitet keiner. Nur wollte er bis ins hohe Alter nicht einsehen und begreifen, dass dieses Schicksal nicht nur ihn allein betroffen hat sondern Millionen Menschen nicht erspart geblieben ist. Deshalb haderte er oft mit allen und sich selbst.

Nun zu seiner Veranstaltungsleitertätigkeit. Er hat alles super organisiert und durchdacht, die Belege und Sonderstempel zu den Veranstaltungen sind graphisch gut gelungen und die herausgegebenen Druckerzeugnisse sind qualitativ sehr hochwertig in Gestaltung und Inhalt. Nun aber zur Kehrseite der Medaille. Mit den Finanzen sah er es nicht so eng, ob für den Verein oder privat. Damit ist die Aussage der Autoren auf Seite 11 mehr als Hohn und Spott zu werten. Ich zitiere: „Leider gelang es nicht, ein ausgeglichenes Finanzergebnis zu erreichen, was dazu führte, dass Turbulenzen zwischen der Bezirkskommission Halle und der Veranstaltungsleitung entstanden, welche zu Ende des Jahres 1967 zu einer negativen Entwicklung in der organisierten Philatelie in Zeitz führen sollten.“ Das stimmt so nicht, denn er hatte ein riesiges finanzielles Desaster mit den Ausstellungen 1955 bis 1967 herbeigeführt und keiner wusste, wie die Schulden beglichen werden sollten. Als damaliges Mitglied des Kreisvorstandes kann ich aus eigenem Erleben noch bestätigen, dass jegliche Aktivitäten immer blockiert wurden mit der Aussage, es sei kein Geld vorhanden und man müsse sich darauf beschränken, das zu machen, was kein Geld kostete oder man hatte gute Verbindungen zu den Betriebsarbeitsgemeinschaften Zemag und Hyzet, welche die Möglichkeiten zum Erhalt von Zuschüssen aus dem Kultur- und Sozialfonds der Betriebe hatten. So hatte Hans Grünewald den Kreis Zeitz finanziell lahmgelegt. Zu geringe Besucherzahlen der Ausstellungen, enorme Mengen an unverkauften Druckerzeugnissen, immense Kosten für Organisation und Durchführung der Veranstaltungen waren die Gründe dafür. Als Krönung hatte er noch zu einem feierlichen Empfang mit reichlich Essen in den Zeitzer Stadtgarten geladen. Nachdem dann Hans Grünewald am 30.10.1967 von seinen Funktionen abberufen wurde, hinterließ er personell eine riesige Lücke, nicht weil keine geeigneten Sammlerfreunde vorhanden waren, sondern weil er neben sich niemanden geduldet hatte. Dies alles fiel dem Kreis Zeitz jetzt auf die Füße. Unbelehrbar und uneinsichtig wie er war, wähnte er sich von allen unrecht behandelt und begann seine merkwürdige Briefaktion zu starten. Natürlich ließen sich das besonders die damaligen Obristen nicht gefallen. Peter Laub muss hier einmal erklären, wann er sich schützend für Hans Grünewald eingesetzt hat. Peter Laub war der uneingeschränkte Tonangeber in der Bezirkskommission Halle, hart und parteilinientreu. Es ist doch charakterlos, wenn dies heute behauptet oder verschönt wird. Nur weil eine neue Gesellschaftsordnung Einzug gehalten hat. Es war nun einmal so. Mit dem sozialistischen System hat sich Hans Grünewald nicht arrangiert, sondern hat es nur benutzt. Er liebte es nämlich, in der ersten Reihe zu stehen, sich mit Ehrungen zu bedenken und mit Orden- und Ehrenzeichen behängen zu lassen. In diesen Momenten war nichts an dem System auszusetzen.

Nun noch einige Worte zu Grünewalds internationaler Ausstellungstätigkeit. Zuerst muss festgestellt werden, dass in der DDR niemand sich qualifizierte zur Teilnahme, sondern man wurde je nach Devisenlage des Kulturbundes delegiert. Hans Grünewald hatte viel Glück, natürlich auch ein Spitzenexponat, und wurde zur „Stockholmia 74“ delegiert, aber es ist ja jedem bekannt, dass zu dieser Zeit eine enorme Anerkennungswelle für die DDR rollte und deshalb wahrscheinlich mehr Devisen zur Verfügung standen. (Dies müsste Peter Laub doch noch bekannt sein, oder hat er es vergessen.)

Nachdem Hans Grünewald Rentner geworden war, nutzte er auch die Möglichkeit in die BRD zu reisen. Nur nicht wie viele zu Besuchen bei Verwandten oder Freunden, dort ließ er sich nur für Kost und Unterkunft sehen, sondern er zog mit philatelistischen Vorträgen Land auf und ab um die begehrte DM zu verdienen. Als er nach Zeitz zurückkehrte, erzählte er dies jedem, der es hören wollte. Dass man ihm dann von staatlicher Seite in die Suppe spuckte war allen klar. Man distanzierte sich konsequent von diesen Vorfällen in der Bezirkskommission.

Abschließend möchte ich noch bemerken, dass ich weder Hans Grünewald etwas Schlechtes nachreden, noch seine Person in Misskredit bringen wollte. Nur wie die beiden Autoren ihn dargestellt haben, war es nicht richtig und man sollte die Dinge darstellen, wie sie wirklich waren, auch wenn es etwas unbequem ist. Seine Arbeit und sein Einsatz in der Zeitzer Philatelie waren immer hervorragend, aber für die beteiligten Sammlerfreunde sehr stark gewöhnungsbedürftig und nicht immer einfach. Er hatte als einziger immer Zeit, im Gegensatz zu vielen Sammlerfreunden, da er als Vertreter der polygraphischen Industrie keine feste Arbeitszeitregelung hatte. Hans Grünewald war auch immer hilfsbereit und stand zur Erledigung von Arbeiten zur Verfügung, aber leider selten uneigennützig.

Geschrieben am ..

zurück

Veranstaltungen